Im Jahr 1978 erschien der Gedichtband „Preußischer Ikarus“ von Wolf Biermann, in dem die gleichnamige Ballade zu finden ist:

Da, wo die Friedrichstraße sacht
den Schritt über das Wasser macht
da hängt über der Spree
die Weidendammer Brücke. Schön
kannst du da preußens Adler sehn
wenn ich am Geländer steh
dann steht da der preußische Ikarus
mit grauen Flügeln aus Eisenguß
dem tun seine Arme so weh
er fliegt nicht weg – er stürzt nicht ab
macht keinen Wind – und macht nicht schlapp
am Geländer über der Spree.

Der Stacheldraht wächst langsam ein
tief in die Haut, in Brust und Bein
ins Hirn, in graue Zelln

Umgürtet mit dem Drahtverband
ist unser Land ein Inselland
umbrandet von bleiernen Welln
da steht der preußische Ikarus
mit grauen Flügeln aus Eisenguß
dem tun seine Arme so weh
er fliegt nicht hoch und er stürzt nicht ab
macht keinen Wind und macht nicht schlapp
am Geländer über der Spree.

Und wenn du weg willst, mußt du gehn
ich hab schon viele abhaun sehn
aus unserem halben Land.

Ich halt mich fest hier, bis mich kalt
dieser verhaßte Vogel krallt
und zerrt mich übern Rand
dann bin ich der preußische Ikarus
mit grauen Flügeln aus Eisenguß
dann tun mir die Arme so weh
dann flieg ich hoch, und dann stürz ich ab
mach bißchen Wind – dann mach ich schlapp
am Geländer über der Spree.

Vieles darin scheint heute wieder aktuell. So wie damals die Menschen der DDR den Rücken kehrten, so verlassen auch heute wieder immer mehr unser Land. Allein im Jahr 2007 waren es über 160.000 Deutsche.

Statt des Stacheldrahts von damals frißt sich heute das Anarchisten-‚A‘ langsam ein

tief in die Haut, in Brust und Bein
ins Hirn, in graue Zelln

das dem Preußenadler auf seine kräftigen Schwingen gesprüht wurde:

Preußenadler an der Weidendammer Brücke in Berlin

Preußenadler an der Weidendammer Brücke in Berlin