Auf den Seiten von shoa.de finden sich Sechs Thesen zum Widerstand 1933-1945 von Wolf Oschlies, die dort „mit der Bitte um Kritik und Diskussion“ vorgetragen werden.

Sehr enttäuschend sind darin die Aussagen in diesen beiden Absätzen:

Es hängt also von der jeweiligen Herrschaft und ihrer umfassenden Ansprüche ab, ob eine bestimmte Verhaltensweise schon Widerstand oder noch Nonkonformismus ist. Der krasseste Fall eines umfassenden Herrschaftsanspruchs und von Verletzung kollektiver Grundrechte und individueller Menschenrechte war (in Deutschland) das NS-Regime, das an die Macht kam, weil die Weimarer Republik „keine angemessenen Vorstellungen von Widerstand entwickelt hat und deshalb den Feinden der republikanischen Ordnung von rechts unterliegt“. Von diesem Regime ließen sich die Deutschen „willig gleichschalten“, ihre „breite Anpassungs- und Folgebereitschaft“ war so ausgeprägt, daß das fehlgeschlagene Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 zu einem Popularitätsschub für Hitler führte.

Dem NS-Regime zu widerstehen, hätte erfordert, sich bereits den von ihm geprägten und den Menschen propagandistisch eingehämmerten Feindbildern – „November-Verbrecher“, „westliche Plutokraten“, „jüdischer Bolschewismus“, „slavische Untermenschen“ etc. – zu widersetzen. Wo dies unterblieb, schwand der Wille zum Widerstand und begann die Verstrickung ins Regime. Man hielt sich an alte oder neue Sprachkonventionen und Metaphern und entdeckte von daher Gemeinsamkeiten mit den Nationalsozialisten. Man projizierte eigene Existenznöte auf die quasi-revolutionäre NS-Rhetorik („Brechung der Zinsknechtschaft“) und erhoffte sich von Hitler eine Besserung der eigenen Lage. Industrie, Reichswehr etc. gingen „strategische Bündnisse“ mit den Nationalsozialisten ein, aus denen sie später nicht mehr herauskamen. Natürlich galt das nicht für alle, vielmehr haben viele den Weg aus der Verstrickung über die Distanz zum Widerstand gefunden. Aber es waren doch nur relativ wenige, und ihre Möglichkeiten zu Kontakt, Kommunikation und Koperation verminderten sich mit jedem Jahr. Es gab in Deutschland Widerstandsaktionen von Individuen und Gruppen gegen das NS-Regime, aber es gab keinen „deutschen Widerstand“.

Die Aussage im ersten dieser beiden Absätze, wonach „die“ Deutschen“ sich „willig“ hätten „gleichschalten“ lassen ist ebenso problematisch, wie andere vergleichbare pauschale Verallgemeinerungen. Gerade nachdem im Absatz davor noch von verschiedenen Formen des Widerstandes („Politischer Opposition“, „Gesellschaftlicher Verweigerung“, „Weltanschaulichem Dissenz“) die Rede war, entsteht hier beim Leser der völlig falsche Eindruck, als hätte es keine dieser Formen des Widerstandes gegeben.

Daß dieser Rekurs gegen „die“ Deutschen schlicht falsch ist, kann man sich anhand der Zeitungen „Der gerade Weg“ und „Weiße Blätter“ erschließen: Die erste dieser beiden Zeitungen hatte sich schon vor 1933 offen gegen die herannahende NS-Diktatur gestellt, was deren Herausgeber Dr. Fritz Gerlach im Juni 1934 denn auch mit dem Leben bezahlen mußte. Die zweite Zeitung war bis zu ihrer Einstellung 1943 wegen Papiermangels eine legale Oppositionszeitung, um die sich verschiedene Widerstandskreise scharten. Auch der Herausgeber dieser Zeitung, Karl-Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, bezahlte mit seinem Leben dafür.

Als Widerlegung gegen die These im zweiten dieser beiden Absätze, wonach es „keinen ‚deutschen Widerstand'“ gegeben hätte, kann man weiters auch auf diese Seite des Kulturreferats der Landeshauptstadt München verweisen, wo sich eine gut recherchierte Aufzählung von Veröffentlichungen zu dem findet, was man wirklich guten Gewissens als „deutschen Widerstand“ bezeichnen kann.

Besonders muß in dem Zusammenhang auch auf die Biographie S.K.H. Rupprecht Kronprinz von Bayern hingewiesen werden, dessen Familie im Konzentrationslager Dachau interniert war.

Weiterhin bedeutsam sind die Grundsätze des Kreisauer Kreises für die Neuordnung vom 9. August 1943. Dieser Text kann von der Kreisau-Initiative Berlin e.V. bezogen werden.

Helmuth James von Moltke vor dem Volksgerichtshof

Helmuth James Graf von Moltke vor dem Volksgerichtshof