Am 1. August 2009 veranstaltete die Kaisertreue Jugend eine Exkursion in die Residenzstadt Detmold mit einer Wanderung zum Hermannsdenkmal im nahen Teutoburger Wald.

Am Vormittag besuchte unsere Gruppe das fürstliche Residenzschloß zu Detmold dessen reiche Ausstattung beeindruckte. Im Schloß lebt bis heute die Familie Lippe-Biesterfeld, die bis 1918 das kleine Fürstentum Lippe-Detmold regierte und bis heute ein hohes Ansehen in der alten Residenzstadt genießt. Die harmonische historische Altstadt mit der alten reformierten Hauptkirche, dem klassizistischen Rathaus und den zahlreichen Fachwerkbauten bestach uns ebenso wie die reizvolle Landschaft des Teutoburger Waldes. Ergreifend war für alle Teilnehmer der Blick auf das – 1838 – 1875 durch den Franken Ernst von Bandel erbaute – Hermannsdenkmal, welches wir besichtigten und von dessen Aussichtsplattform wir den Blick in die herrliche Landschaft genossen.

Höhepunkt der Besichtigung war jedoch folgender Vortrag, den ein Mitglied der KJ vorbereitet hatte:

„Geschichte wird von Männern gemacht“. Der Historiker Heinrich von Treitschke vertrat mit dieser Aussage eine andere Position, als beispielsweise die marxistische Geschichtsschreibung, nach deren Grundauffassung alles eine Entwicklung ist, deren Ergebnis schon feststeht und die somit keinerlei Freiheit zuläßt. Wenn man bundesrepublikanische Werke zur Geschichte zu Rate zieht, zum Beispiel den „Langen Weg nach Westen“ von Heinrich August Winkler, könnte man zu der Auffassung kommen, daß diese letztere Geschichtsauffassung immer noch weit verbreitet ist: Geschichte als langer Irrweg, den wir erst durch die Ankunft in einem Paradies, in diesem Fall dem bundesrepublikanischen, verließen, so wie es schon lange vorherbestimmt war. Unsere Generation darf sich dabei spätestens nach dem Fall der Mauer freuen, am Ende der Geschichte teilhaben zu dürfen.

Vor 2000 Jahren wäre es unseren Vorvätern wohl auch vorherbestimmt gewesen, Teil des römischen Imperiums zu werden und römische Gesetze zu übernehmen und römische Steuern zu zahlen. Das es anders kam, ist einem großen Fürsten geschuldet, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen ist, um letztlich der Freiheit zum Sieg über die Vernunft zu helfen, wie ich später noch weiter ausführen werde. Um ihn zu würdigen, haben wir uns heute hier an seinem Denkmal versammelt.

Viel ist über Arminius nicht bekannt. Der Name ist lateinisch und es wird vermutet, daß er zu deutsch „Erman“ oder „Armin“ geheißen hat, worauf der Volksmund ihn über die Jahrhunderte zu „Hermann“ machte. Er ist vermutlich im Jahre 18 vor Christus als Fürstensohn des Stammes der Cherusker geboren worden. Im Alter von rund 15 Jahren kam er dann als Geisel nach Rom, was damals eine übliche Praxis war und zwei Zwecke erfüllen sollte: Zum einen brauchte man während der fortschreitenden Besetzung Germaniens ein Faustpfand, das die germanischen Fürsten daran hindern sollte, sich gegen die römische Herrschaft aufzulehnen. Zum anderen sollten die Geiseln mit der römischen Kultur vertraut gemacht werden und ihre Überlegenheit schätzen lernen. Dann, so der Gedanke, hätte man bei ihrer späteren Thronbesteigung nützliche Verbündete.

So wurde Arminius in Rom zum Kavallerieoffizier ausgebildet und kehrte schließlich nach 9 Jahren an der Seite von Publius Quinctilius Varus, dem neuen Proconsul in Germanien, in seine Heimat zurück.
Varus hatte den Auftrag, die Elbe als neue römische Grenze endgültig zu gewinnen. Er hatte sich dabei zum Ziel gesetzt, das römische Recht und die römische Verwaltung bei den Germanen mit aller Härte durchzusetzen. Was Arminius, der mit zwei Seelen aufgewachsen war, über dieses Vorhaben dachte und wann er die Entscheidung für die Rebellion gefaßt hat, liegt im Dunkeln. Überliefert ist jedoch, daß er das blinde Vertrauen von Varus genoß, der ihm mit der germanischen Hilfstruppen-Kavallerie Augen und Ohren seines Heeres anvertraute. Der römische Proconsul ging mit seiner Vertrauensseeligkeit sogar soweit, die durch einen neidischen Verwandten des Arminius ausgesprochene Warnung von einem drohenden Verrat zu ignorieren.

Die Schlacht im Teutoburger Wald, in die das Handeln Arminius’ schließlich gipfelte und deren 2000. Geburtstag wir heute begehen, wurde dabei in Wirklichkeit bei Kalkriese geschlagen, wie wir heute wissen. Neben den Cheruskern nahmen an ihr unter anderem noch die Stämme der Marsen, Chatten und Brukterer unter Arminius’ Kommando teil. Unter dem Vorwand eines angeblichen Aufstandes im Norden wurden drei römische Legionen auf dem Weg in ihre linksrheinischen Winterquartiere in unwegsames Gelände gelockt, drei Tage pausenlos angegriffen und bis auf die reguläre Kavallerie vernichtet. Varus und andere römische Offiziere nahmen sich das Leben. Wer sich gefangen gab, konnte nicht mit der Gnade der Sieger rechnen. Die Niederlage der Römer war dabei so vollständig, daß die Germanen bis weit nach Gallien hätten vorstoßen können, bevor sie wieder auf eine nennenswerte Zahl feindlicher Soldaten getroffen wären. Dies verhinderte aber der lockere Charakter des Bündnisses, welches Arminius geschmiedet hatte und natürlich auch der Mangel an Disziplin und einem übergeordneten Kriegsziel bei den freiheitsliebenden Germanen.

Die Geschichte von Arminius endet aber mit der Schlacht im Teutoburger Wald noch nicht: Rom schickt fünf Jahre nach dem Tod des Varus den Feldherrn Germanicus, um die Schmach der Niederlage zu rächen und doch noch die Elbe als römische Grenze zu gewinnen. Germanicus übt grausame Rache und läßt die germanischen Dörfer brandschatzen und die Einwohner töten, doch kann er Arminius trotzdem nicht besiegen: Bei Minden war es dem Fürsten wieder gelungen, die Römer in einen Hinterhalt zu locken, aus dem sie sich dann nur unter großen Verlusten befreien konnten. Ein Versuch, über die Nordsee nach Germanien einzudringen endet mit einem fürchterlichen Sturm und der Vernichtung weiter Teile der römischen Expeditionsflotte – auch die Germanen hatten also ihren „Götterwind“.
Im Ergebnis hat Arminius schließlich nicht nur Schlachten gewonnen, sondern auch den Krieg, den er mit seinem Überfall im Jahre 9 nach Christus begonnen hatte: Die Römer, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen, gaben die Eroberung Germaniens auf und der „Limes“, eine lockere Reihe von Grenzbefestigungen, wird für viele Jahre römisch-germanische Grenze.

Arminius stirbt im Jahre 21 nach Christus im Alter von nur 37 Jahren. Auch die Umstände seines Todes liegen im Dunkeln. Nach einer gängigen Interpretation wurde er seinen Verwandten und den Fürsten der Region zu mächtig und diese ließen ihn ermorden. Anhaltspunkt für diese Theorie ist der belegte Umstand, daß ein Chattenfürst den Römern anbot, Arminius mit Gift beiseite zu schaffen, was diese jedoch als unehrenhaft ablehnten.

Was bleibt von Arminius? Die Deutschen entdeckten ihn ab dem 16. Jahrhundert für sich. Der Kult um den Cherusker wuchs im Folgenden in dem Maße, indem sich die Nation ihrer Identität bewußt wurde. Im dreißigjährigen Krieg wird er als Verkörperung vaterländischer Gesinnung im Kampf gegen die fremdländischen Heere herangezogen. Im 18. Jahrhundert ist er der seinem Volk dienende Herrscher und wird somit zum Vorfahren und historischen Vorbild Friedrichs des Großen erklärt. Vor allem waren es jedoch die Besetzung Deutschlands durch den Kaiser der Franzosen und die anschließenden Befreiungskriege, die die Arminius-Verehrung an Bedeutung gewinnen ließen: Noch intensiver als im dreißigjährigen Krieg wurde der Cherusker zum Symbol nationaler Selbstbehauptung gegen einen fremden Unterdrücker.

Auch in der daran anschließenden Zeit, in der es galt, die Einheit der Nation zu vollenden, stand Arminius hoch im Kurs. So begann der Bau des Hermannsdenkmals, vor dem wir heute hier stehen, 1838. Der Bildhauer Ernst von Bandel wollte das Monument mit Spenden finanzieren. Wie so vieles endete jedoch auch die nationale Begeisterung der Deutschen bei der eigenen Brieftasche. Weil nicht genügend Spenden zusammenkamen, investierte von Bandel sein eigenes Vermögen, ohne das Denkmal jedoch fertigstellen zu können. Ihm kamen schließlich die Einigungskriege zu Gute, nach denen der Höhepunkt der Arminius-Verehrung erreicht wurde. 1875 war das Bauwerk schließlich fertig und wurde von Kaiser Wilhelm I., der selbst die zur Vollendung noch fehlende Summe bereitgestellt hatte, feierlich eingeweiht. Nach dem Ende des Kaiserreichs flaute das Interesse an Arminius dann langsam ab. Gerade der Nationalsozialismus hat Arminius nicht thematisiert, weil der italienische Verbündete nicht verärgert werden sollte.

Nationale Einheit, Selbstbehauptung, Widerstand gegen fremde Unterdrücker – in Zeiten des zusammenwachsenden Europa klingt dies nicht unbedingt nach Orientierungspunkten, die für uns noch irgendeine Bedeutung haben könnten. Dementsprechend gering fällt auch die öffentliche Resonanz aus, die das Jubiläum im Vergleich zum Geburtstag des Grundgesetzes und des Mauerfalls erzielt.

Selbst Freunde von Arminius müssen dabei zugeben, daß das lose Stämmenetz, das auf deutschem Boden existierte, kaum als Vorläufer der deutschen Nation zu betrachten ist. Auch wenn Arminius selbst das vielleicht so gesehen haben mag, die überwältigende Mehrheit seiner Zeitgenossen sah es nicht so.

Auf der anderen Seite: Die Franzosen haben mit ihrem Kult um Jeanne d’Arc und die Spanier mit ihrem Nationalhelden El Cid auf ähnlich gewagte Konstruktionen zurückgegriffen. Warum sollten wir also nicht auf „unseren Hermann“ stolz sein können?

Es ist aus monarchistischer Sicht aber weniger die Perspektive der Einheit der Nation, die ein Gedenken an die Schlacht im Teutoburger Wald rechtfertigt. Es ist vielmehr die Lehre, daß Menschen nach ihren Sitten und Bräuchen leben wollen und man ihnen nicht das Gegenteil davon aufzwingen sollte. Die Germanen erhoben sich nicht gegen Rom, sondern gegen nicht mit ihrem Rechtsverständnis zu vereinbarende Gesetze und Steuern, auch wenn diese viel effizienter und sinnvoller gewesen sein mögen. Um ihre Freiheit zu retten, vertrauten sie ihre Zukunft einem Fürsten ihres Volkes an.

Wer aber schützt uns heute vor regelungswütigen Politikern oder EU-Bürokraten und ihren volkserzieherischen Rechtsverordnungen, die sich auf immer mehr Bereiche des öffentlichen und vor allem privaten Lebens ausdehnen und Gewohnheiten und Bräuchen zuwiderlaufen? Wer sich vom Volk für alle seine Handlungen legitimiert glaubt, hat kein Verständnis für die Notwendigkeit, Räume im Leben zu lassen, die von der staatlichen Macht nicht geregelt werden. Auch bestehende Regelungen, die mitunter nicht besonders effizient sind, aber dafür der eigenen Kultur und Tradition entsprechen, können von jenen sogenannten Volksvertretern nicht akzeptiert werden. Es sind aber gerade jene Räume und Regelungen, die nicht in vermeintlicher Effizienz, Vernunft oder Rationalität begründet sind, in denen unsere Freiheit in der Massengesellschaft begründet liegt. Um sie zu schützen, brauchen wir ein Gegengewicht zu jenen, die möglichst alle Bereiche des Lebens nach ihren Kriterien regeln wollen. Dieses Gegengewicht liegt in der Monarchie. Obwohl es genügend rationale Argumente für sie gibt und zu allen Zeiten auch aufgeklärte Könige regierten, wird sie von vielen doch gerade für ihre Rolle als Hüterin irrationaler Traditionen und Bräuche bewundert. Wenn wir als Monarchisten dem Sieg der freiheitsliebenden germanischen Stämme über das rationale römische Imperium gedenken, dann geschieht dies auch, weil wir uns der irrationalen Komponente der Monarchie und der Notwendigkeit des Irrationalen für die Freiheit in einer vernunftorientierten Welt bewußt sind.