Großherzogin Elisabeth von Oldenburg

Großherzogin Elisabeth von Oldenburg

Aus der Buchbesprechung zu „Zwischen Orient und Ostsee. Die Reisetagebücher der Großherzogin Elisabeth von Oldenburgin der Islamischen Zeitung:

Bemerkenswert scheint mir zu sein, dass das deutsche Kaiserreich tatsächlich als einzige europäische Großmacht an einem Erhalt und einer gewissen Stabilisierung des Osmanischen Reiches interessiert war. Allerdings darf man nicht den Fehler machen zu glauben, die Deutschen taten das völlig selbstlos oder aus idealistischen Beweggründen. Sie wollten das Osmanische Reich letztlich im Kampf gegen die britische Vorherrschaft zwischen Nordafrika und Indien als Partner an ihrer Seite haben, wobei sie selbstverständlich davon ausgingen, dass Deutschland der bestimmende Teil dieser Verbindung sei. Um 1900 war der Höhepunkt der imperialistischen europäischen Politik erreicht, da kann dieses arrogante Denken nicht verwundern. Der deutsche Einfluss im Osmanischen Reich erscheint allerdings subtiler, es ging nicht um koloniale Erwerbungen, sondern – eigentlich sehr modern und aktuell – um Absatzmärkte für deutsche Waren und somit einen starken indirekten Einfluss.

Trotzdem Thomas Weinberg, der laut diesem Artikel Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ist, sich mit der Verwendung des ja von Lenin zu Zwecken der Propaganda erfundenen Etikettes „imperialistisch“ in kritische Nähe zu Kommunisten begibt, hat er in der Sache hier wohl nicht Unrecht.

Das tragische Bündnis zwischen Osmanischem und Deutschem Reich war eine Folge der Adaption wirtschafts-liberaler Elemente in die Außenpolitik für die besonders das Britische Empire als Vorbild diente.

In der Übertragung dessen auf heute kann man sagen, daß man sich schwer tun wird, gleichzeitig globalistisch-liberal zu argumentieren und die Genozide an den christlichen Völkern auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches von damals während des Ersten Weltkriegs ehrlichen Herzens zu betrauern. Die globalistisch-sozialistische Haltung wird dadurch freilich kaum besser, aber sie erscheint – vor diesem Hintergrund – dann wohl als das kleinere Übel.

Türkisches Massaker in Armenien (ca. 1916): 600.000 bis 1,5 Millionen Opfer

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