In den Medien ist eine gewisse Wende bei der Berichterstattung zu Afghanistan wahrzunehmen. Man hört jetzt viele, die die Taliban eher als eine Bewegung sehen (wollen), die originär paschtunische Interessen vertritt, weshalb denen die Vorstellung einen Krieg gegen „den Westen“ zu führen auch ziemlich absurd vorkommt. Bei den hohen Talibanführern wird das wohl anders sein, aber wenn die zu sehr auf einen Krieg gegen „den Westen“ setzen, dann stärkt das natürlich die Position der Stammesführer.

Palme AfrikakorpsFaktisch bedeutet es freilich nicht mehr, als die Realitäten anzuerkennen, wenn man das nun in irgendeiner Form in die Strategie mit einbezieht. Amüsant ist jedoch, daß die Antideutschen das als „wilhelminisch“ bezeichnen. Hier eine Zusammenfassung eines Bahamas-Artikels aus der Jungle-World in der das so gesehen wird:

Auch antideutsche Linke sehen mit Blick auf den deutschen Afghanistan-Einsatz die Wiederkehr von Vergangenem. Allerdings stellen sich dabei die historischen Parallelen gänzlich anders dar. So handele es sich beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan nicht um einen erneuten Versuch, mit Eroberungskriegen koloniale Ziele zu verfolgen. Der Afghanistan-Einsatz demonstriere zwar den Willen der Bundesregierung zum weltpolitischen Handeln, aber die Betonung der zivilen Komponente des Einsatzes und die Weigerung, die Taliban militärisch zu bekämpfen, müsse vielmehr als Signal an die islamischen Völker verstanden werden. Jenen solle gezeigt werden, dass Deutschland als alternative Großmacht für antiamerikanische Bündnisse bereitsteht. In diesem Sinne erklärte Thomas Becker in der Zeitschrift Bahamas den Bundeswehreinsatz gar »zur (…) deutschen Appeasementpolitik mit militärischen Mitteln«. Eine historische Kontinuität bestünde nicht in Form eines militärischen Imperialismus der gegenwärtigen deutschen Außenpolitik. Im Gegenteil: Der verständnisvolle Umgang mit dem Islam im Allgemeinen sowie der grundsätzlich affirmative Umgang mit der afghanischen Stammeskultur seien Elemente eines völkisch grundierten Antiimperialismus. In Anknüpfung an wilhelminische und nationalsozialistische Pläne, einen antikolonialen Aufstand der afghanischen Stämme gegen das britischen Empire zu entfachen, versuchten die Deutschen auch heute wieder, eine antiwestliche Allianz zu schmieden. Konsequenz dieser Analyse ist die Ablehnung linker Proteste gegen den Einsatz der Bundeswehr. Mehr noch, ein Engagement gegen den Krieg wird als ideeller Bestandteil einer deutschen Weltmacht strategie kritisiert. In dieser Logik erscheint eine Intensivierung des Kriegs gegen die Taliban begrüßenswert.

Die ahistorische Gleichsetzung von „wilhelminisch“ mit „nationalsozialistisch“ erklärt sich als antideutsche Zwangsvorstellung.