Man kann alle wirtschaftlichen, staatlichen, physischen Katastrophen überleben, nicht aber geistige. Wenn wir uns aufgeben, wenn wir aufhören an uns, an unsere Zukunft zu glauben, dann sind wir erledigt.

Dieses Zitat, mit dem sich Alexander Solschenizyn vor allem auf sich und das eigene Leben bezog, läßt sich in gleicher Weise auch auf die russische oder die deutsche Nationen anwenden.

Innenraum einer Gulag-Baracke

Innenraum einer Gulag-Baracke

Seit dem maßgeblich vom Ausland aus betriebenen illegalen Sturz der Hohenzollern-Monarchie und der anderen regierenden deutschen Fürstenhäuser im November 1918 schlitterte das Reich von einer geistigen Katastrophe in die nächste. Der bolschewistische Fieberschauer im Januar 1919 war gerade mal der Auftakt für den Bürgerkrieg der frühen und späten Republik von Weimar, den deren Eliten dann nicht mehr anders zu medikamentieren wußten, als mit einer staatlich verordneten und inszenierten krankhaften Selbstliebe, die dann im Mai 1945 in der totalen Katastrophe endete.

Scharzer Freitag in New York (1929)

Scharzer Freitag in New York (1929)

Die kurze Phase scheinbarer Glückseligkeit von 1933 bis 1936/37 war ebenso eine atypische Ausnahmesituation, wie die Zeit von 1924 bis 1929, in der man unter Zuhilfenahme ausländischer Kredite den heißen Bürgerkrieg soweit abgekühlt hatte, daß er die Form des normalen Parteienhaders angenommen. Hier wie da war der innere Frieden aber nicht mehr, als eben ein Strohfeuer an dem man sich gemeinsam wärmte.

Währungsreform und Marshallplan halfen im Westen die Schaufenster zu füllen (1948)

Währungsreform und Marshallplan halfen im Westen die Schaufenster zu füllen (1948)

Ebenso ein Strohfeuer war die heute als „Wirtschaftswunder“ gefeierte Zeit des Wohlstands in der aus den westlichen Besatzungszonen hervorgegangenen Bundesrepublik. Dieses Feuer wärmte freilich um einiges länger, weil „dem Westen“ ja die Rolle eines Schaufensters zugeordnet worden war (Marschallplan), mit dem die Überlegenheit des amerikanischen Liberalismus demonstriert werden sollte. Doch von einer eigenständigen und nachhaltigen Entwicklung war man hier genau so weit entfernt, wie „im Osten“, auch wenn dessen Bürger die Scheibe dieses Schaufensters 1989 einschlugen.

Bananen waren das große Thema bei der Wiedervereinigung (1989)

Bananen waren das große Thema bei der Wiedervereinigung (1989)

Viele erkennen dieser Tage, daß der Patient seit dem „Finis Germanae“ (von Befreiung vom Nationalsozialismus begann man erst ab Mitte der 80er Jahre zu reden) im Wachkoma lag und immer noch liegt. Sie sehen die Ärzte ratlos: Während Chefärztin Merkel von Schönheitsoperationen träumt, damit sie international ein hübsches Gesicht machen kann, wundert sich OP-Schwester Westerwelle, weshalb ihm alle von dem Skalpell für die eigentlich vereinbarte Darmoperation abraten. Assistenzarzt Seehofer zweifelt indes, ob sich die Bachblütentherapie, von der er immer mal wieder redet, überhaupt mit der katholischen Soziallehre vereinbaren läßt. Und die medizinischen Fakultäten empfehlen die lebenserhaltenden Geräte ganz abzuschalten.

EUdSSR

Die EU als Nachfolger der UDSSR

Daran, den Patienten aus dem Koma aufzuwecken, denkt offenbar niemand. Warum auch? Lebenszeichen des Michels werden von den Oligarchen in Brüssel mißtrauisch beäugt und würden in den PIIGS-Staaten, die auch mal die Rolle von Schaufenstern spielten, nur noch größere Gelüste wecken.

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