Nach dem Rücktritt von Frau Dr. Käßmann gibt es hier einen lesenswertern Kommentar.

So viel Staub wie der Fall Käßmann aufgewirbelt hat, könnte er eine Art Zeitenwende einleiten.

Reinigendes Gewitter

Die Menschen fühlen, daß uns diese Verständniskultur die Katastrophe führt, weil sich natürlich jede menschliche Verfehlung irgendwie nachvollziehen läßt.

Mit dieser Trunkenheitsfahrt gab es nun aber eben einen Fall, bei dem bald jedem klar vor Augen stand, daß es offenbar gar keine Grenze mehr mit dem Verständnishaben gibt!

Wenn wir für Trunkenheit am Steuer Verständnis haben, weil Frau Dr. Käßmann eben viel um die Ohren hat, dann hätte man vielleicht auch für einen Besuch bei einer Prostiuierten von Dr. Wolfgang Huber Verständnis haben müssen. Der hatte es bestimmt auch nicht leicht. Oder für den verlassenen Ehemann, der sich an Kindern vergreift. Ist ja klar, irgendwo muß er den Druck ja rauslassen. Ebenso müssen wir für den islamischen Terroristen Verständnis haben. Sowieso! Wer mag schon die USA?

Freilich kann man alles verstehen. Aber vom Verstehenkönnen zum Verständnishaben ist es eben nur ein klitzekleiner Schritt. Zudem ist es viel einfacher Verständnis zu haben und öffentlich zu bekunden, als sich mit irgendwem anzulegen. Da könnte man ja Ärger bekommen! Also übt man sich in Konformismus und ist um Verständnis bemüht. Verständnis zeigen klingt nach Menschlichkeit und wer will schon aus dem Rudel ausscheren …

Die Wahrheit ist: Wir haben einen Verständnis-Konformismus, der ebenso feige und vielleicht nicht weniger fatal ist, wie ein Konformismus, bei dem sofort nach der Steinigung gerufen wird. Hier wie da führen Denkfaulheit und ein selbstantrainierter Konformismus dazu, daß man die Dinge halt so laufen läßt, wie sie eben laufen.

So soll es aber nicht sein:

Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. (Eph. 4, 29)

Manchmal ist eben auch „notwendig“, daß jemand die Leviten gelesen bekommt. Denjenigen, den es betrifft, schmerzt das dann zwar. Aber wie soll er denn sonst etwas lernen? Nächstenliebe kann eben auch mal bedeuten, daß man Fraktur redet.

Auch der gütige Vater im Himmel, der uns Sünder straft, tut das nur weil Er uns liebt:

Du tust Gutes deinem Knecht, HERR, nach deinem Wort. Lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis; denn ich glaube deinen Geboten. Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort. Du bist gütig und freundlich, lehre mich deine Weisungen. Die Stolzen erdichten Lügen über mich, ich aber halte von ganzem Herzen deine Befehle. Ihr Herz ist völlig verstockt; ich aber habe Freude an deinem Gesetz. Es ist gut für mich, dass du mich gedemütigt hast, damit ich deine Gebote lerne. Das Gesetz deines Mundes ist mir lieber als viel tausend Stück Gold und Silber. (Psalm 119, 65-72)

Und wie sollen moralische Prinzipien denn insgesamt aufrecht erhalten werden, wenn man es sich verbietet die rhetorische Zuchtrute zu benutzen?

Es wird ja niemand gesteinigt bei uns. Wenn wir sagen, daß die Trunkenheitsfahrt Frau Dr. Käßmann „den Kopf gekostet“ hat, dann ist das ja nicht mehr, als eben ein Sprichwort: