Der geistige Weg zur französischen Revolution. Von Hans E. Friedrich

Das System des rousseauschen Jakobinismus, mit dem Deutschland sich seit 150 Jahren auseinandersetzt, hat seinen Ursprung in Genf, nicht nur, weil Rousseau Genfer war, sondern auch insofern, als es sich an den Calvinismus anlehnt. Dieses System Rousseaus und der französischen Revolution wirkt sich in der nationalen Politik Frankreichs und in der internationalen Europas bis heute aus.

Die Grundthese des exaltierten Jakobinismus unter Robespierre lautete: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns; wir sind Frankreich, wer also gegen uns ist, ist gegen Frankreich; er löst sich aus der französischen Nation, ist somit ein Staatsfeind und wird ausgerottet. Die Grundthese des gemäßigten Jakobinismus lautet: wer Franzose sein will, kann Franzose sein; wer für uns ist, hat die Chance, Mitglied der großen Nation zu werden; wenn wir ein Land erobern und seine Bürger erklären sich für uns, so gehört es zu Frankreich; denn jeder Mensch hat das Recht, über sich und seine Zugehörigkeit zu dieser oder jener Nation zu bestimmen, so wie er das Recht besitzt, im Staate selbständig mitzuregieren. Hinzu kommt die missionarische Überzeugung, daß es für jeden Menschen, welcher Nationalität er auch sei, das höchste Glück bedeuten müsse, der französischen Nation anzugehören. Mit diesem Schlachtruf wechselte einst – eine Rede Dantons war das Fanal – aus der Defensive in die Offensive und mit ihm eroberte Napoleon halb Europa und bot ihm das Glück, französisch zu werden.

Maximilien de Robespierre (1758-1794)

Maximilien de Robespierre (1758-1794)

Dem lag ein sehr fein ersonnener Gedanke Rousseaus zugrunde. Daß Rousseau der Neuentdecker der menschlichen Individualität und ihres natürlichen Rechtes war und daß er diese Individualität auf die Natur des Menschen gründete, ist bekannt. Daß er damit aber außer dem Individualismus auch einen radikalen Kollektivismus schuf, wissen heute nur die wenigsten Menschen. Der Natur des Menschen auf den Grund zu gehen, lag im Zuge der Zeit; aber während seine Vorgänger im Naturrecht vor dem letzten Schluß, nämlich der natürlichen Ordnung des Volkes und er Staaten, zurückgeschreckt waren, teilweise mit einem grotesken Gedankenknick die ganze gegebene Ordnung, eingeschlossen den mehr oder weniger absoluten Herrscher, als von Gott kommend anerkannt hatten, schlug Rousseau alle bestehende Ordnung in Trümmer und ließ den völlig auf sich gestellten, wie ein Tier lebenden, keine Familie, geschweige denn eine Sippe oder ein Volk kennenden Menschen allein auf weiter Flur. Dieser Mensch war von Natur aus gut; aber da dieser paradiesische Zustand vorbei ist und die Menschen nicht mehr gut, so muß nach Rousseaus Argumentation eine Ordnung künstlich geschaffen werden, damit sich die Menschen nicht gegenseitig vernichten. Damit kommt Rousseau nicht etwa zu einer stillschweigenden Anerkennung der gewordenen Ordnung, sondern um diese zu ersetzen, müssen sich die Menschen zu einer Volksversammlung zusammentun und Staaten bilden. Das heißt: der aus einheitlichem Willen geschaffene Staat wird die einzig zutreffende Ordnung für die einzelnen Menschen, die ihrer Natur nach lediglich Individuen sind; die natürlichen Ordnungen der Familie, der Sippe und des Volkes fallen seinem System nach weg, ja müssen, soweit es sie gibt, vorher vernichtet werden.

Jean-Jacques Rousseau (1717-1778)

Jean-Jacques Rousseau (1717-1778)

Das bedingte für die Praxis zwei Schlußfolgerungen, die beide Kernpunkte des Jakobinismus geworden sind: wenn die Individuen sich zusammengetan und einen Staat gebildet haben, so sind sie so mit diesem Staat verklammert, daß eine fast vollkommene Identität zwischen dem Individuum und dem Staat besteht; Recht und Pflicht des Einzelnen sind gleichermaßen vollkommen auf den Staat bezoge; das Recht der Teilnahme am Staatsleben ist ebenso wichtig wie die Pflicht, diesem Staate zu dienen und zu gehören; aus dieser These folgerte die robespierresche Richtung des Jakobinismus die Notwendigkeit, jeden, der sich gegen den Staat, d.h. in diesem Fall gegen Robespierre stellte, zu vernichten. Die andere praktische Folge ist der aggressive Nationalismus und Chauvinismus, der den Jakobinismus auszeichnet. Jedes Land, jeder Erdteil, ganz unabhängig von seiner völkischen Zugehörigkeit, gehört, kraft jener Regel des Optionsrechtes für einen beliebigen Staat von Rechts wegen zu Frankreich, wenn seine Bewohner für Frankreich optieren. Wie solch eine freiwillige Option dann in der politischen Wirklichkeit zustande gebracht wird, kann man sich leicht vorstellen. Das Zeitalter Napoleons liefert die drastischsten Beweise für diese Form des Imperialismus.

So wenig, wie Rousseaus abstrakte Ideologie des absoluten Einzelmenschen je eine unmittelbare Verwirklichung hätte finden können, sondern nur in filtrierter Form in die Ideologie des Jakobinismus übergegangen ist, so wenig ist sie auf der anderen Seite eine unmittelbare Schöpfung des Schweizers Rousseau. Sie hat ihre Vorgänger und Befruchter, und sie ist eine seltsame Mischung des latainischen und deutschen Geistes.

Aber auch sachlich und inhaltlich hat das Werk Rousseaus Voraussetzungen, ohne die er kaum zu verstehen ist. Die Einordnung in das Naturrecht reicht keinesegs hin; denn im entscheidenden Punkt biegt er scharf von den Naturrechten ab, so daß die Wege sich trennen. Mehr als an das englische Naturrecht knüpfte er an Hugo Grotius und an Althusius, den deutschen Calvinisten Althaus an, um sich schließlich allerdings auch von ihnen nicht in der Methodik und im Prinzip, wohl aber in der Verankerung in Gott zu trennen, die er als eine Flucht vor er letzten Konsequenz ablehnte. Diese Flucht zu Gott ist jedoch das Haltmachen vor dem Unerforschlichen gewesen; Rousseau aber, der in der Tiefe seines Wesens ein areligiöser Mensch war und in Religion und Kirche ein mehr oder weniger gutes Hilfsmittel zur Wahrung der a priori guten Natur des Menschen sah, meinte, Gott entraten zu können.

Johannes Calvin (1509-1564)

Johannes Calvin (1509-1564)

Die Reformation Luthers entspricht der deutschen Lebens- und Wesensart, während die französische ihre Ausprägung in Calvin findet. Nachdem der Ausgleich zwischen dem Reich Gottes und dem Reich dieser Welt, den die katholische Kirche das Mittelalter hindurch erhielt, einmal durch Luthers Reformation erschüttert worden war, nachdem also das seelische Gleichgewicht verloren war, welches die Una Sancta dm gläubigen Menschen des Mittelalters durch die Bezogenheit des diesseitigen Lebens auf das jenseitige in guten Werken, Beichte, Absolution und Sakramenten, in der Vermittlung zwischen hier und dort in der Gestalt des Statthalters Christi gegeben hatte, galt es für die erschütterten Seelen ein neues Gleichgewicht zu schaffen. Luther, der streng an die Verkündigung des Neuen Testamentes anknüpfte, mußte, je heftiger er von der katholischen Kirche und ihrem Dogma bedrängt wurde, zu der gleichen Trennung von Diesseits und Jenseits kommen, die einst Jesus gefordert hatte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Dieer Welt aber sprach er – in echter Nachfolge Christi – ihr Daseinsrecht nie ab; sie war und ist Gottes Schöpfungsordnung, und das Sündige war für Luther so schlechthin das Menschliche, Diesseitige überhaupt, daß dieser einst marternde Betriff durch den Versöhnungstod Christi seinen quälenden Stachel verlor. Das Diesseits gehörte mit aller Sündigkeit für ihn so streng in Gottes Plan und Willen hinein, daß die feindliche Reibung zwischen beiden Welten einer schönen Harmonie in Gottes Gnade wich. Diese idealistische Hinnahme des Diesseits und seiner Sünde als gegeben und von Gott gewollt muß aus jener urdeutschen Mentalität heraus verstanden werden, das Gegebene zu nehmen wie es ist, um es von der Idee, nämlich hier der Idee des gnädigen, liebenden Gottes, durchdringen und läutern zu lassen. Ein Blick auf den Weg der lutherischen Kirche beweist, daß dieser gläubige Idealismus zwa die schönsten Früchte der Menschlichkeit, des Geistes und des Lebens gezeitigt hat, daß aber der sichtbare praktische Erfolg weder ihr noch der von ihrem Geist bestimmten Welt leicht gemacht worden ist.

Dr. Martin Luther (1483-1546)

Dr. Martin Luther (1483-1546)

Ganz anders war der Weg, den Calvin einschlug. Der Gegensatz zwischen Diesseits und Jenseits, den Luther in gnadenvoller Harmonie zu lösen sichte, erzeugte be ihm und in seiner Lehre die stärksten Spannungen, die ihrerseits radikale geistige Konsequenzen und nicht minder radikale weltliche Maßnahmen zeitigten. Sich loslösend von der gegebenen Wirklichkeit menschlicher Gemeinschaft und menschlichen Lebens, baute Calvin zunächst in der Theorie die weitgehende Realisierung des Willens Gottes, wie er in der Bibel und insbesondere im Alten Testament verkündigt ist, aus. Seine „Institutio“ ist ein gestrenges Lehrbuch dessen, was der Mensch zu erfüllen hat, um Gottes Gnade zu erwerben. Die menschliche Schwäche, die Sünde sind hier nicht als Teile der menschlichen Natur betrachtet, deren der Mensch, ob er will oder nicht, teilhaftig ist, wie bei Luther, und die deswegen als Gegebenheiten einzusetzen wären, sondern sie sind Vorwurf und Schuld des Menschen, die er überwinden und ausmerzen muß, wodurch denn ein ideologisches Bild des vollendet christlichen Menschen entsteht, den es in Wirklichkeit nicht gibt. Jeder Teil dieses ideologischen Wesens jedoch, das der Mensch nicht zu verwirkichen in der Lage ist, entzieht ihm einen entsprechenden Teil der Gnade Gottes. So folgt daraus – zunächst immer in der Theorie -, daß der Mensch doch eine gewisse werkmäßige Rechtfertigung vor Gott – die „regeneratio“ – erstreben muß, die der von Luther geforderten Rechtfertigung allein aus dem Glauben gegenübersteht. So wird aus der Hierokratie der katholischen Kirche die Theokratie des Calvinismus, der keine Kirche im katholisch-institutionellen Sinne mehr kennt, weil das gesamte Leben und die ganze menschliche Gemeinschaft zu einer einzigen Kirche werden muß. Hier wandelt sich die Kirche zum Gesetzgeber für die Gemeinschaft überhaupt, ihre Funktion fällt mir der der Gesellschaft und des Staates zusammen.

Die charakterliche Ähnlichkeit zwischen den Systemen Calvins und des Jakobinismus brauchte jedoch noch nicht einen ursächlichen Zusammenhang zu begründen; aber auch dieser ist leicht zu erkennen. Nicht nur, daß die calvinistische Tradition seiner Vaterstadt auf den Bürger von Genf Rousseau einen inneren und anschaulichen Einfluß ausübte, die konsequente Lehre Rousseaus von dem möglichen besten Menschen der Natur leitet sich aus Calvins Lehre von dem möglichen bsten Menschen des verwirklichten Reiches Gottes her. Der Perfektibilitätsgedanke Rousseaus ist ein Kind der calvinistischen „regeneratio“; die Ideologie von der konstruktiv zu bildenden menschlichen Gemeinschaft, die von der Natur einer völkischen Gemeinschaft unabhängig ist, findet ihre unmittelbare Entsprechung in Calvins Gemeinde des heiligen Lebens, die allein durch dieses, nicht aber durch eine natürliche Zusammensetzung als Stamm oder Volk, also als Schöpfungsordnung und deren Anerkennung, gekennzeichnet ist. Allerdings wendete Rousseau, der im tiefsten Grunde seines Wesens areligiös war, alle sich bei Calvin auf dem streng genommenen Gebot Gottes gründenden Ideen des religiösen Genf ins rein Weltliche, ersetzte das Bekentnis zu Gott und seinem Gebot, das bei Calvin die Grundlage der Gemeinde und das Kriterium der Zugehörigkeit zu ihr für alle die Ausländer, die er in Genf einbürgerte, war, durch jene abstrakte Konstruktion des natürlichen, rein individualen Menschen und des von einer Summe solcher Individuen konstituierten Staates, womit von Calvins in einer höheren Macht verankerten Idee nichts übrig blieb als das Gerippe. Das von Calvin religiös begründete Staatswesen außerhalb aller natürlichen Bindungen, zusammengesetzt und dargestellt von einer Summe bekenntnisgleicher Individuen, wurde mit seiner ganzen mathematischen Abstraktion in säkularisierter Form zur Grundlage eines bis in die Gegenwart hinein wirkenden staatlichen Denkens, das ebenfalls von einer Summe von Individuen ausgeht. So kann man den Abstand zwischen dem französischen Demokratismus und Jakobinismus und dem deutschen Volksdenken messen an dem Abstand zwischen der Lehre Luthers und der Lehre Calvins, vor allem, was die Beziehung eines ideologischen Sollzustandes zum Reich dieser Welt und damit zur Schöpfungsordnung angeht.

Napoleon sieht dem Tod ins Auge

Napoleon sieht dem Tod ins Auge

Die konstruktivistische Staatsidee Rousseaus und des Jakobinismus mußte durch den imperialistischen Kern, der in ihr wohnte – „wer Franzose sein will, kann Franzose sein“ – alsbald zu einem europäischen Problem werden. In dem Augenblick, in dem das jakobinische Frankreich kriegerisch über seine Grenzen hinauswogte und mit seiner Missionsidee die Staaten Europas bedrohte, setzte die Reaktion in den anderen Staaten und Nationen ein. Daß die von der revolutionären Idee innerlich und äußerlich bedrohten S t a a t e n sich sofort zur Wehr setzten, versteht sich von selbst. Aber sie waren dem stürmischen Elan des Revolutionären nicht gewachsen. Siegreicher Widerstand wurde erst von den in ihrer Substanz bedrohten Völkern geleistet, deren immanente, natürliche Kraft von den ideologischen Trägern nicht in Rechnung gesetzt worden war. Denn eine solche immanente natürliche Kraft lehnten ja die Jakobiner nicht nur ab, sondern sie bestritten ihr Vorhandensein. In diesem Kampf prallte die völkische Idee, die Idee des „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ zum erstenmal auf die abstrakte nationalistische und imperialistische Staatsidee der französischen Revolution; es begann ein Kampf, der bis heute andauert. Sicher scheiterte Napoleoen m a t e r i e l l nicht an diesen Erhebungen, sondern an der schon vom ancien regime und von der Revolution geerbten Feindschaft der Engländer; der übewältigende Impetus aber, an dem sein Feldherrngenie zerbrach, war ein völkischer. Das Jahr 1813 ist die Geburtsstunde der politisch sichtbar gewordenen völkischen Idee. Sie gründete sich auf das Gefühl des natürlichen Rechtes eines Volkes, und vor allem auch auf die romantische Vorstellung, daß es von Gott befohlenen sei, gegen den Vergewaltiger der Völker zu kämpfen. Wenn man Schleiermacher und Arndt liest, so kommt einem die starke religiöse Grundlage, auf der sich das neue Volksbewußtsein aufbaute, lebendig zum Bewußtsein. In diesem Kampf gegen Napoleon berührten sich zugleich zwei geistige Strömungen, die damals Deutschland beherrschten: die Romantik, die mit ihrer Sehnsucht nach dem katholischen Mittelalter ein tiefes Gefühl für die natürlichen Formen des menschlichen Zusammenlebens, für Familie und Volk verband, und der Idealismus, der in seinem Höhepunkt eine Blüte der, wenn auch ethisch säkularisierten, so doch auf Luther zurückgehenden evangelischen Auffassung des Christentums und der göttlichen Schöpfungsordnung mit Lebensbejahung hier und strenger Gläubigkeit dort erlebte. Hier trafen sich Scheiermacher und Claudius, Fichte und Goethe, Hoffmann und Arndt in einem gemeinsamen Gefühl nationaler Kraft. Die klassischen bis heute gültigen Worte für diese deutsche Gegenbewegung sprach Goethe in „Herrmann und Dorothea“ aus:

„Denn der Mensch, der zu schwankenden Zeiten schwankend geworden ist,
Der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter;
Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich.
Nicht dem Deutschen geziemt es, die fürchterliche Bewegung,
Fortzuleiten und auch zu wanken hierhin und dorthin.
‚Dies ist unser!‘ so laß uns sagen und so es behaupten!
Denn es werden noch stets die entschlossenen Völker gepriesen,
Die für Gott und Gesetz, für Eltern, Weiber und Kinder
Stritten und gegen den Feind zusammenstehend erlagen!“

Dennoch konnte die völkische Idee damals noch nicht siegen. Die Führer der Restauration, Metternich an ihrer Spitze, waren darum bemüht, den Status quo ante wiederherzustellen, bestenfalls hier und da eine kleine Konzession an die Idee der französischen Revolution zu gestatten. Der Erfolg war, daß der neu aufblühende Absolutismus, der sich allerdings nach und nach der Verfassung anbequemen mußte, zuerst im Gegensatz, dann in Kompromissen mit dem bisher einzig staatspolitisch wirksamen Nationalismus, dem von 1789 bis 1793, regierte. So erfocht denn schließlich der Jakobinismus verschiedener Prägung den Sieg und wurde zum bestimmenden staatsideelichen Faktor des 19. Jahrhunderts. So wirkt Rousseau durch den Jakobinismus und durch den konstruktiven, imperialistischen Nationalismus bis in unsere Zeit hinein; Männer wie Clemenceau oder Herriot haben als Jakobiner reinsten Wassers das politische Denken Frankreichs beherrscht. In Deutschland dagegen, das bis 1918 seine herrscherliche Tradition mit den Ideen des Nationalismus und des Imperialismus (der nicht mit der Erwerbung und dem Besitz von Kolonien gleichzusetzen ist, wie das vulgär meist geschieht) in Einklang zu bringen versucht hat, scheiterte in Weimar die Neuordnung des Staates auf Grund jakobinischer Ideologien vollkommen. Sie scheiterte nicht nur, weil das Versailler Diktat jedem natürlichen Lebensrecht ins Gesicht schlug und eine neue Welle jenes natürlichen Volksbewußtseins wie 1813 hervorrief, sondern vor allem deshalb, weil der konstruktive Nationalismus sowohl außen- wie innenpolitisch durch die neue Idee des Selbstbestimmungsrechts der Völker überwunden wurde.

Quelle: Weiße Blätter, Ausgabe Januar/Februar 1941