Neue Weiße Blätter und ein Buch von Anton Ritthaler im Schriftenarchiv Mittwoch, Mrz 31 2010 

Im Schriftenarchiv gibt es vierzehn neue Scans der Weißen Blätter:

Außerdem noch das 1940 erschiene Buch Weltpolitische Spannungen seit Bismarck von Anton Ritthaler. Das spiegelt freilich die Sicht von damals wider. Ritthaler dürfte sich aber um eine vergleichsweise objektive Darstellung bemüht haben, zumal er einer derjenigen war, die Hermann Oncken gegen die Angriffe von Walter Frank verteidigt hatten.

Weltpolitische Spannungen seit Bismarck. Von Anton Ritthaler

Gedanken zur Geschichtspolitik anläßlich der Predigt Bischof Müllers in Regensburg Mittwoch, Mrz 31 2010 

Das Erinnern des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller an die Demonstrationen des katholischen Frauenbundes in Regensburg und Amberg im Jahre 1941 anläßlich der im Zusammenang mit den bekannt gewordenen weit zurückliegenden Mißbrauchsfällen gegen die Kirche gerichteten Medienkampagne hat einiges an Empörung hervorgerufen. Es hieß, es brächte nichts hier mit „NS-Vergleichen“ zu argumentieren und gehöre sich vor allem auch nicht.

Nur was ist eigentlich ein „NS-Vergleich“? — Gemäß StGB §130 handelt es sich dabei um das Verharmlosen einer „unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art“. Nachdem die Kampagnen der damals gleichgeschalteten Presse darin nicht aufgeführt sind, kann bei der Predigt Bischof Müllers auch keine Rede von einem „NS-Vergleich“ sein; allein darauf hatte er sich ja bezogen. Es kann somit bei dieser Empörung nur darum gehen, daß man der römisch-katholischen Kirche keine eigenständige Wortmeldung zur Lesart der deutschen Geschichte zugestehen möchte.

Wohl immer schon und überall war die Deutung der Geschichte ein heiß umkämpftes Thema. Der Grund ist, daß darin das Selbstverständnis einer Gesellschaft zum Ausdruck kommt und auf dem Wege der Geschichtsdeutung somit auch indirekte Weichenstellungen in die Zukunft vorgenommen werden. Begreift man diese Weichenstellung als alleinige Domäne der Politik, so wird man freilich zu dem Schluß gelangen, daß die Kirche keinerlei Anrecht auf derartige Wortmeldungen haben könne. — Ist es aber verantwortbar, die primär an kommerziellen Interessen ausgerichteten Medien selbstherrlich über die hierzu veröffentlichte Meinung bestimmen zu lassen?

Um vergleichbare Fragen wurde auch in der Anfangszeit der NS-Herrschaft gestritten. Im Frühjahr 1935 hatte ein Vortrag des nationalliberalen Historikers Hermann Oncken „über die Wandlungen des Geschichtsbildes in revolutionären Epochen“ zu heftigen, persönlichen Angriffen durch Walter Frank im „Völkischen Beobachter“ gegen ihn geführt. Der Streit drehte sich damals darum, daß Oncken die von den Nationalsozialisten seinerzeit offen propagierte „kämpferische Geschichtswissenschaft“ in Frage gestellt hatte. Oncken vertrat, daß es durchaus eine objektive Geschichtswissenschaft gibt. Er stelle sich somit gegen die politische Vereinnahmung der Wissenschaft und verlor am Ende seine Professur.

Auf den ersten Blick scheinen die repressiven Vorfälle von 1935 und die des Jahres 2010 nichts miteinander zu tun zu haben. Wo es heute um die Freiheit des bischöflichen Wortes auf der Kanzel geht, ging es damals um die Freiheit der Wissenschaft. Eine Gemeinsamkeit gibt es dennoch: sie liegt darin, daß in beiden Fällen ein politisch motivierter Angriff auf die Vielfalt der veröffentlichten Meinung vorliegt und daß zutiefst kirchenfeindliche Kräfte die Wortführer sind.

Die Ereignisse in Griechenland Dienstag, Mrz 30 2010 

Über dieses Thema berichtet die von Dr. Fritz Klein herausgegebene „Deutsche Zukunft“ vom 1. Dezember 1935 Folgendes:

Das griechische Volk hat am 3. November 1935 die gekrönte Demokratie gewählt, und der König ist am 24. November nach Griechenland zurückgekehrt. Die Tagespresse hat über den feierlichen und begeisterten Empfang berichtet. Das ist äußerliche gesehen die Entscheidung der Frage Monarchie oder Republik, des Kampfes der Volksparteien oder Monarchisten gegen die Veniselisten, der Front der Rechten gegen die Linke. Tiefer begriffen das Ergebnis der geschichtlichen Ereignisse des im langsamen Fortschreiten gewordenen neugriechischen Staates, Resultat der elementaren inneren Freiheitsbedürfnisse dieses Volkes, seines Charakters und seiner Struktur udn der Dynamik, die aus der „Großen Idee“ des freien, machtvollen, byzantinischen Reiches strömt.

König Georg II. von Griechenland (1890-1947)

König Georg II. von Griechenland (1890-1947)

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Wie die Nationalsozialisten zur Revolution vom März 1848 standen Montag, Mrz 29 2010 

Revolution vom März 1848

Revolution vom März 1848

Wie die Nationalsozialisten zur Revolution vom März 1848 standen, kann man sich aus diesem, im April 1938 als Nachdruck aus der Kölner Zeitung — also wenige Tage nach dem sog. Anschluß Österreichs erschienen, Artikel erschließen: Die Nationalsozialisten haben den deutschtümelnden März damals ohne Ende bejubelt. Der Bericht des nachmaligen Kaiser Wilhelms I. zur Märzrevolution, stand in der Ausgabe vom März 1938. Die Weißen Blätter waren in jeder Hinsicht restaurativ. „Konterrevolutionär“ waren sie  höchstens in dem Sinne, daß die Nationalsozialisten sich als Revolutionäre verstanden. Der 30. Januar 1933 wurde von ihnen nicht umsonst als „nationale Revolution“ bezeichnet : sie sahen sich als Weiterführung der Revolution von 1848 und bezeichneten folglich auch ihre Gegner als „reaktionär“.

Hitler in Wien nach dem sog. Anschluß Österreichs im März 1938

Hitler in Wien nach dem sog. Anschluß Österreichs im März 1938

Objektive vs. kämpferische Geschichtsschreibung Samstag, Mrz 27 2010 

Wer bei geschichtlichen Themen mitunter das Gefühl hat, daß einseitig argumentiert wird, dem kann der Artikel Grenzen und Befugnisse der Geschichtswissenschaft in der Ausgabe Februar 1935 der Weißen Blätter empfohlen werden. Er dokumentiert die Angriffe im Völkischen Beobachter durch Walter Frank auf den nationalliberalen Historiker Hermann Oncken, die zu dessen Zwangsemeritierung führten, und vermittelt ein Bild über die damit aufgeworfenen Grundsatzfragen: Unter Berufung auf Leopold von Ranke, dem Begründer der modernen Geschichtswissenschaft, verteidigt Anton Ritthaler die Möglichkeit einer objektiven Geschichtsschreibung — die Nationalsozialisten vertraten dagegen den Ansatz einer „kämpferischen Geschichtsschreibung“.

Leopold von Ranke (1795-1886)

Leopold von Ranke (1795-1886)

Bozhe Tsarya Khrani Freitag, Mrz 26 2010 

Macht und Grenze der russischen Revolution Freitag, Mrz 26 2010 

Von Reinhold Schneider

Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Novalis.

Es wäre ganz falsch, den Sieg der russischen Revolution allein durch den Einsatz der Gewalt erklären zu wollen; auch die Propaganda in Gemeinschaft mit der Gewalt hätte diesen Sieg nicht errungen; es kommt ein Vorgang hinzu, der dem Außenstehenden nur schwer verständlich ist: das Überwältigtwerden des Einzelnen durch die Gedanken der Revolution. Wodurch dieses möglich wurde, hat Stepun in seinem bedeutenden Buche über die russische Revolution ausgesprochen; es ist der Schwund des Ewigen, das heißt der religiösen Werte aus dem Leben, der allein der Revolution Wirklichkeit verschaffte. Denn wo die große innere Leere sich gebildet hat, da ist endlich ein jeder Stoff willkommen, ja sogar leidenschaftlich begehrt, der diese Leere auszufüllen vermöchte; und daraus folgt wieder, daß es das Bestreben der russischen Revolutionäre sein muß, diese Leere zu erhalten. Würde sie sich aber mit andern Inhalten füllen, als mit denen der Revolution, so wäre das Ende der revolutionären Macht gekommen; und die Tragik der russischen Revolution scheint eben darin zu bestehen, daß ihre Vollzieher ohne es zu wollen durch den Druck ihrer Macht und die zu Erhaltung dieser Macht angewendeten Mittel die Kräfte erwecken helfen, die der revolutionären Herrschaft ein Ende bereiten müssen. In dieser letzten Perspektive und außerhalb des Bereichs revolutionären Willens könnte sich somit eine Sinngebung vollziehen, keine Rechtfertigung, denn Schuld bleibt Schuld; Werkzeuge sind Alle, die handelnd und wirkend in der Geschichte auftreten; und nicht darin kann ein Verdienst liegen, daß der Zerstörer wider seinen willen der neuen Gestalt den Boden bereitet, daß er also Werkzeug ist ohne seinen letzten Zweck zu kennen; das Verdienst, sofern es gesucht werden soll, kann nur in der Haltung gefunden werden, die der Einzelne vor dem Endgültigen annimmt. Zur Durchführung des russischen Vernichtungskampfes, der totalen Materialisierung und Technisierung eines Volkes bedurfte es des Glaubens an den unbedingten Wert der Revolution selbst; es bedurfte tartarischer Kräfte; als die Geistigen in Fortsetzung der Gedanken Dostojewskis schon unmittelbar nach dem Ausbruch der Revolution deren Rechtfertigung versuchten, leiteten sie einen Vorgang ein, der die Wirklichkeit der russischen Revolution zunächst nicht verändert, so eng er auch mit ihr verbunden ist.
Lenin

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Max Buchner und die „Gelben Hefte“ Freitag, Mrz 26 2010 

Gemäß des Eintrags im Lexikon des Konservatismus zu den „Weißen Blättern“ gab es den Plan die Abonnenten der „Gelben Hefte“ zu übernehmen.

Titelblatt der

Diese von Max Buchner herausgegebene Monatsschrift verstand sich als Fortsetzung der noch von Joseph Görres gegründeten Historisch-Politischen Blätter für das katholische Deutschland. Anton Ritthaler, der auch in den Weißen Blättern regelmäßig Artikel veröffentlichte, wirkte bei der Herausgabe der „Gelben Hefte“ mit. Eine Vorstellung über Max Buchners Stil und Gedankenwelt kann man sich anhand des in der Ausgabe Oktober 1935 nachgedruckten Artikels „Der christliche Gedanke in der Gegenwart“ machen — wie auch die Einleitung sagt, wurde dieser Artikel als ein herausragender Artikel angesehen. Aus dieser Hervorhebung kann man freilich auch entnehmen, daß viele andere Artikel darin zu finden waren, die nicht die Linie Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenbergs vertraten. Eine Würdigung des Lebenswerkes Max Buchners als Historiker nach dessen Tod im April 1941 brachte erst die Augustausgabe.

Neue Ausgaben der Weißen Blätter im Schriftenarchiv Mittwoch, Mrz 24 2010 

Es gibt neue digitalisierte Ausgaben der Weißen Blätter im Schriftenarchiv. Sie stammen aus der Zeit von September 1934 bis September 1936, in der der Umschlagtitel noch nicht ganz so schön war.

Umschlaggestaltung der früheren Ausgaben der Weißen Blätter

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In Qualen gemalt … Montag, Mrz 22 2010 

Zum 250. Geburtstage König Friedrich Wilhelms I. am 14. August

Von Jochen Klepper

Was König Friedrich Wilhelm I. lebte, handelte und litt, schrieb oder malte, blieb seiner Umwelt vom Geheimnis umgeben und rätselvoll, von seiner Knabenzeit an. Die Wände in der Prinzenstube des unzähmbaren, jungen „Wilden“ starrten von Waffen und kriegerischem Schmuck. In der Schreibtischlade aber fanden sich hohe Stöße sanfter, zarter, kleiner Bilder, die das Bürschlein gemalt oder ausgeschnitten hatte. Den Eltern und dem Hofe schien er von all dem gepriesenen Musischen unberührt. Denn er entsetzte das Königspaar nicht nur durch seine Stiefel und sein Grenadiersdeutsch, die Meute seiner Hunde und sein wirres Gelock: viel mehr erschreckte sie noch seine Genauigkeit, mit der er, allein im ganzen jungen Königreiche Preußen in seinem erborgten Glanze, jede Ausgabe in das weiße Lederbändchen, sein „Dukatenbuch“, eintrug: den Taler für „truimmeln und stöcker“ seiner Knabenmiliz; die Posten junger Füchse und Hafen; den Silbergroschen für das „Mägdlein, so in Wusterhausen auf dem Schloßhof getantzet“; die Spende zu dem „Futter vor den Hund von dem alten Mann“ wie die Ausgabe für „Blumen und Farben zum Malen“.

Friedrich Wilhelm I. als Knabe um 1701

Friedrich Wilhelm als Knabe um 1701

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