In der Ausgabe Mai/Juni 1939 der Weißen Blätter gab es einen Aufsatz zu diesem Thema.

Gulag-Arbeiter

Zwangsarbeit im Gulag zur Schaffung des "neuen Menschen"

Aufgrund des Titels und der Bezugnahme auf von Richthofens Schrift denkt man zuerst, daß er antisemitisch wäre. Wenn man ihn jedoch genau liest, erkennt man, daß Freiherr Bolko von Richthofen darin lediglich zitiert wird, um dessen Gesamtaussage zu torpedieren. Die eigentliche Analyse konzentriert sich auf den Linkshegelianer Ludwig Feuerbach, auf dessen philosophischen Schriften Karl Marx dann aufbaute. Auf diese Weise stellte man sich aus christlichem Verständnis heraus der damals zur Staatsräson gehörenden Deutung des Bolschewismus als „jüdisch“ entgegen. Es war aus diesem Grund, daß sich damals christlich-konservative Widerstandskreise um diese Zeitung scharten.

Der "Kreisauer" Helmuth James Graf von Moltke vor dem Volksgerichtshof

Der "Kreisauer" Helmuth James Graf von Moltke vor dem Volksgerichtshof

Ausgehend von diesem Aufsatz kann man sich ein Bild davon machen, in welche Richtung sich Deutschland wohl entwickelt hätte, wenn der Nationalsozialismus von innen heraus überwunden worden wäre: Die ideologische Gegnerschaft zur Sowjetunion hätte weiterhin bestanden. Im Unterschied zu der Ausprägung, wie sie die nach dem Krieg gegründete Bundesrepublik hatte und auch heute noch hat, hätte man aber auf christlichen Fundamenten aufgebaut und sich nicht zum Handlanger des Liberalismus angloamerikanischer Prägung gemacht.

Der Weihnachtsmann als Maskottchen für Limonadenwerbung

Der Weihnachtsmann als Werbemaskottchen für amerikanische Limonade

Auf christlichen Fundamenten aufzubauen war auch die Linie des Kreisauer Kreises. So lautete denn auch der erste Satz der von den Kreisauern für nach dem Umsturz geplanten Regierungserklärung:

Die Regierung des Deutschen Reiches sieht im Christentum die Grundlage für die sittliche und religiöse Erneuerung unseres Volkes, für die Überwindung von Hass und Lüge, für den Neuaufbau der europäischen Völkergemeinschaft. Der Ausgangspunkt liegt in der verpflichtenden Besinnung des Menschen auf die göttliche Ordnung, die sein inneres und äußeres Dasein trägt.

Der Unterschied ist in etwa vergleichbar mit dem, was die Sowjetdissidenten Andrei Sacharow und Alexander Solschenizyn voneinander trennte: Während sich Sacharow kritiklos dem von den USA weltweit propagierten Modell zuwandte, sprach sich Solschenizyn immer für einen eigenständig russischen Weg zur Überwindung des Bolschewismus aus. Solschenizyn hatte auch erkannt und ausgesprochen, daß das im philosophischen Materialismus gründende System der USA sehr viel mit dem System der Sowjets gemein hat.

Bischof Maxim, Märtyrer der russischen Katakombenkirche

Bischof Maxim, Märtyrer der russischen Katakombenkirche (1931)