Findet die deutsche Kolonialzeit neben Hitlers Helfern, Hitlers Frauen, Hitlers Tieren und Hitlers Backrezepten noch einen Platz im Geschichtsbuch, wird sie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Viertelseite nicht überschreiten. Mein Schulbuch der 9. Klasse enthielt überhaupt keinen Vermerk hierzu. Mein Schulbuch in der 12. Klasse verfügte immerhin über diese Viertelseite, in der ging es aber – man hätte es erraten können – lediglich um den sogenannten Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Historischer Pauschaltourismus, könnte man sagen.

Kaiserliche Schutztruppe in Togo

Kaiserliche Schutztruppe in Togo

Dabei ist die mit nur etwas mehr als 30 Jahren kurze, aber prägnante Phase der Deutschen Kolonialtätigkeit zum größten Teil eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Eine heute eher gewagte Behauptung. Wie sahen das aber die Zeitgenossen? Zwei Zitate daher vorweg:

Der ehemalige amerikanische Präsident und begeisterte Jäger Theodore Roosevelt zeigte sich 1910 sichtlich beeindruckt: „Ich war nicht vorbereitet auf die interessanten Typen unter den Deutschen, die Pflanzer, die Zivilbeamten, die Offiziere (…). Es waren Männer von unzweifelhafter Fähigkeit und Tatkraft, wenn man sie sah verstand man leicht, warum Deutschland in Ostafrika so zusehends emporgeblüht ist. Es sind erstklassige Menschen diese Engländer und Deutschen, beide verrichten in Ostafrika ein Werk, das der ganzen Welt zu gute kommt!“

Theodore Roosevelt (1858-1919), 26. US-Präsident (1909-1909)

Theodore Roosevelt (1858-1919), 26. US-Präsident (1909-1909)

Sein Landsmann Herbert Adam Gibbons schrieb noch im Weltkrieg:

„Deutschland hat alle anderen Kolonialmächte in Afrika in vier Punkten überflügelt, was an der kleinen Kolonie Togo ganz besonders auffällt: Im Wegebau für das Zusammenwirken mit den Eisenbahnen und dem Transport, in Bequemlichkeiten für im Inneren des Landes Reisende, in der wissenschaftlich betriebenen Forstwirtschaft und in der öffentlichen Gesundheitspflege. Niemand kann behaupten, dass Deutschland die Kolonien, die es in Afrika besaß, nicht voll ausgenutzt hätte.“

Wie hatte Deutschland sich zu dieser Kolonialmacht entwickeln können? Schon während der Revolte von 1848 wurden in der Paulskirche Rufe nach dem Bau einer Hochseeflotte und dem Erwerb überseeischer Besitzungen laut. Mit der Reichseinigung und dem florierenden Handel der Gründerzeit kam die Idee wieder stärker auf. Es waren allerdings nicht nur – wie heute mit Pawlowschem Reflex behauptet – Rechtskonservative oder Alldeutsche, die eine Kolonialtätigkeit forderten. Bürger, Kaufleute, Reeder, Missionare – der Wunsch nach neuen Absatzmärkten und dem Prestige einer Kolonialmacht hallte durch die ganze Gesellschaft.

1882 wurde in Frankfurt am Main der „Deutsche Kolonialverein“ gegründet, 1884 in Berlin die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“. Beide sollten sich später zur „Deutschen Kolonialgesellschaft“ zusammenschließen.

Deutsche KolonialgesellschaftUnd wie reagierte die Politik? Bismarck stand dem Gedanken eindeutig ablehnend gegenüber. Wie er später einmal formulierte: „Hier liegt Russland und hier liegt Frankreich, wir sind in der Mitte. Das ist meine Karte von Afrika.“ Bismarck fürchtete, das junge deutsche Reich könnte sich in überseeische Konflikte verwickeln, die sein Bündnissystem ins Wanken bringen würden. Die Sicherung des Reiches in Europa vor einem revanchistischen Frankreich und einem autoritären, unberechenbaren Russland hatten für ihn oberste Priorität.

Mittlerweile hatten deutsche Kaufleute wie Lüderitz oder Peters jedoch schon Tatsachen geschaffen, wo die Politik zögerte. Sie hatten in Südwest- und Ostafrika große Gebiete erworben, Handelsplätze – sogenannte Faktoreien – errichtet, Verträge mit den ansässigen Häuptlingen geschlossen und ersuchten nun um den Schutz des Reiches. 1884 gab Bismarck schließlich nach und erklärte die Besitzungen zu Schutzgebieten des Deutschen Reiches. Großbritannien erhob zunächst Einspruch und erkannte die Schutzgebiete nicht an, was aber nicht lange vorhielt.

Schon der Erwerb der deutschen Kolonien war also durch und durch eine friedliche Sache des Handels und Verträgen mit den ansässigen Eingeborenenstämmen. Anders als etwa für Frankreich oder Großbritannien war es für das deutsche Reich nicht notwendig, mit massivem Truppenaufgebot und unterdrückerischen Maßnahmen das Land gewaltsam in Besitz zu nehmen. Die eingeborenen Stämme begaben sich freiwillig und zu vertraglich festgehaltenen Konditionen unter den Schutz des deutschen Kaisers – und Deutschland war peinlichst genau bemüht, diese vertraglichen Konditionen auch zu erfüllen. Diese Tatsache wird oft vergessen, obwohl sie vor dem Hintergrund, dass Frankreich noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei Kolonialkriege – in Algerien und in Indochina – führte, wohl bedeutsam genug ist für das deutsche Verständnis von Kolonialbesitz und Erwerb desselben. Fakt war, dass die deutsche Politik gerade nicht von Größenwahn und Expansionswut getrieben wurde, vielmehr waren die Kolonien eine Sache, die in großem Maße von der Wirtschaft des Reiches bestimmt wurde – gegründet von Kaufleuten, nicht von Soldaten.

Gemessen am Kolonialbesitz der anderen europäischen Großmächte war das deutsche Reich ein Junior: Großbritannien und Frankreich hatten halb Afrika unter sich aufgeteilt, ersteres besaß mit Britisch-Indien eine der größten und ressourcenreichsten Kolonien überhaupt.

In den 30 Jahren seiner Kolonialtätigkeit erwarb das deutsche Reich die Kolonien Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia), Deutsch-Ostafrika (heute Tansania und Ruanda), Kamerun, Togo, Kaiser-Wilhelm-Land auf Neuguinea, die Salomonen-, Karolinen- Marianen- und Marshallinseln, Palau, Samoa, das Bismarckarchipel sowie als Pacht für 99 Jahre das chinesische Kiautschou.

Kaiser-Wilhelm-Land, NeuguineaSchon während des Weltkrieges hatten Briten und Franzosen den Plan gefasst, sich die deutschen Kolonien einzuverleiben. Im Versailler Diktat wurde dieser Plan schließlich Realität: Die ehemaligen deutschen Kolonien wurden zu „Mandatsgebieten“ von Briten, Franzosen, Japanern und Australiern. Der Begriff des „Mandatsgebietes“ wurde geschaffen, um vor dem Völkerbund und der ganzen Welt zu heucheln, man verwalte diese Gebiete nur, rechne sie aber nicht dem eigenen Besitz zu. Genau das war aber der Fall, auch im nahen Osten, wo sich durch den Rückzug des osmanischen Reiches ebenfalls viele Gebiete nun in britischer oder französischer Hand befanden.

Die koloniale Schuldlüge, mit der dieser Raub begründet wurde gliedert sich grob in vier Aspekte: Deutschland habe sich in der Entwicklung seiner Kolonien als unfähig erwiesen seine koloniale Herrschaft zur gnadenlosen Unterdrückung der Eingeborenen ausgenutzt die Militarisierung der eingeborenen Bevölkerung seiner Kolonien angestrebt und gefördert den Welthandel durch Anlage von U-Boot- und Kriegsschiffstützpunkten gefährdet.

Der Friedenskuß (1919), Karikatur zum Versailer Vertrag

Der Friedenskuß (1919), Karikatur zum Versailer Vertrag

Jede einzelne dieser unsinnigen Behauptungen lässt sich leicht widerlegen. Zum ersten Punkt, der angeblichen deutschen Unfähigkeit bei Verwaltung und Entwicklung der Kolonien: Wie ich kaum zu erklären brauche ist die preußisch-deutsche Verwaltung eine der effektivsten, besten der Welt gewesen. Das galt in selbem Maße für die Kolonialverwaltung, die um Weiten besser war als die der Franzosen, Portugiesen oder Niederländer. Allenfalls Großbritannien konnte dort mithalten. Zur Entwicklung. Deutschland hatte, nach Erwerb der Schutzgebiete, diese erst ausgiebig von Forschern, Geologen und Naturwissenschaftlern bereisen und auskundschaften lassen, bevor es mit dem Bau von Infrastruktur und Industrie begann.

In Anbetracht dessen, dass Deutschland seine Kolonien im besten Falle nur 30 Jahre lang besessen hat, waren diese erstaunlich gut entwickelt. In den sechzehn Jahren von 1896 bis 1912 entwickelten sich die Eisenbahnlinien von 40 Kilometer auf sagenhafte 3867 Kilometer, das kultivierte Plantagenland wuchs von elftausend Hektar auf 140 tausend Hektar, die Handelsbeziehungen zwischen dem Reich und den Kolonien stiegen von 60 Millionen Mark auf über 260 Millionen Mark. Man kann also nicht gerade behaupten, dass Deutschlands Kolonien vor sich hin träumten.

Aber es waren ja nicht nur Investitionen in die Wirtschaft, die von Deutschland aus in Afrika und den anderen Kolonien getätigt wurden. Es wurden in den 30 Jahren deutscher Kolonialtätigkeit mehr Schulen, Kirchen, Krankenhäuser errichtet als in mehr als 50 Jahren in manchen britischen oder französischen Kolonien.

Fakt ist, dass Deutschland nicht nur der wirtschaftliche Profit, sondern auch die Erziehung und Weiterbildung der Bevölkerung sehr wichtig war. In einigen Kolonien herrschte sogar Schulpflicht für die Einheimischen. So notierte die englische Zeitschrift „United Empire“: „Deutschland ist, was Erziehung anbetrifft, in der Welt Führer. Daher ist es auch nicht überraschend, dass seine Kolonialerziehung gut ist.“

Die Infrastruktur, die durch deutsche Kolonialtätigkeit geschaffen wurde, prägt die neu erstandenen afrikanischen Staaten bis heute. In Deutsch-Ostafrika wurde eine 1200 Kilometer lange Eisenbahn erbaut, die Daressalam, Tanga, die Ausläufer des Kilimandjaro und das unmittelbare Hinterland bis heute verbindet. Die deutschen Verwaltungen verboten den Sklavenhandel, modernisierten die Straßen, errichteten zweckmäßige Gesundheitseinrichtungen. Sie unterstützten die christliche Mission ohne diejenigen Eingeborenen zu behelligen die zum Islam bekehrt worden waren, errichteten Arbeitersiedlungen und forschten eifrig an Medikamenten zur Bekämpfung von Malaria, Gelbfieber und der Schlafkrankheit.

Eisahnbahnnetz in Deutsch-Ostafrika (Deutsches Koloniallexikon, 1920)

Eisahnbahnnetz in Deutsch-Ostafrika (Deutsches Koloniallexikon, 1920)

Sicher ist, dass der wirtschaftliche Profit der Kolonien lange hinter den getätigten Investitionen zurück blieb. Bis auf Togo hatte keine der Kolonien vor 1910 wirklichen Profit abgeworfen. Erst am Vorabend des ersten Weltkrieges sahen die Bilanzen etwas besser aus. Man muss jedoch anmerken, dass die Schutzgebiete zu Beginn der deutschen Herrschaft nahezu völlig frei von Infrastruktur und Bildung waren. Was also die britischen, französischen oder australischen „Mandatsträger“ in den 1920er Jahren aus den vormals deutschen Kolonien erwirtschafteten geht primär auf die deutsche Entwicklungshilfe derselben zurück.

Und der Brite Louis Hamilton merkte zum Thema der Entwicklung in den deutschen Kolonien an: „Die deutschen Maßnahmen zur Einführung von Ordnung, Gesundheit, System und Aufforstung sind Achtung erzwingende Faktoren, welche in beredter Weise zu dem erwachenden China sprechen. China blickt nicht auf Kiautschou als einen Stachel in seinem Fleische, sondern als auf einen gesunden Punkt, von welchem das Gesundheit bringende Beispiel westlicher Zivilisation durch das himmlische Reich strahlt.“

Der Teutone verstehe es, die Kolonien zu entwickeln und den Eingeborenen zu höherer Kultur zu verhelfen, so allgemein der Tenor britischer oder amerikanischer Beobachter. Umso verwunderlicher also, dass man im und nach dem Weltkrieg den Deutschen die Fähigkeit abgesprochen hat, die Kolonien richtig zu verwalten und zu entwickeln. Wenn man Wirtschaftsstatistiken, Zeittafeln und Zeitzeugen heran zieht, wird sich der irrsinnige Vorwurf, Deutschland habe nicht verstanden seine Kolonien zu verwalten, rasch widerlegen lassen.

Kommen wir zum zweiten Vorwurf der kolonialen Schuldlüge: Deutschland habe die Herrschaft über seine Gebiete dazu ausgenutzt, die Einheimischen zu unterdrücken und zu misshandeln. Ohne Frage gab es Aufstände der Einheimischen, die teilweise mit brutaler Gewalt niedergeschlagen wurden. Zu nennen wäre einmal der Araberaufstand 1888, der sich gegen das Verbot des Sklavenhandels in Deutsch-Ostafrika richtete, zum anderen der Hereroaufstand 1904.

Fakt ist aber ebenso, dass Briten, Franzosen und Portugiesen nicht gerade zimperlicher mit ihren Aufständigen umgingen. Im Burenkrieg hatten die Briten sogar die „praktische“ Idee der Konzentrationslager entwickelt, in die sie niederländische Männer, Frauen und Kinder internierten. Auch beim Aufstand der Zulu oder der Volkserhebung im Sudan zeigten sich die britischen Gentlemen nicht gerade von der versöhnlichen Seite. Zu Hunderten wurden hier die Feinde mit modernsten Maschinengewehren niedergemäht, Zivilpersonen bedrängt und interniert, nach heutigem Verständnis gravierende Menschenrechtsverletzungen begangen.

Natürlich, ein ganzes Volk in die Wüste zu schicken ist ein starkes Stück. General Lothar von Trotha, der dafür zuständig war, wurde von den Berliner Stellen dafür gemaßregelt und demonstrativ nach seiner Rückkehr vom Kaiser nicht empfangen. Tatsache bleibt, dass die Vernichtung oder Vertreibung der Herero nicht direkt dem Berliner Stadtschloss, sondern den Zuständigen vor Ort einfiel.

General von Trotha hatte lediglich die Überlegungen umgesetzt, die ihm zusammen mit Gouverneur von Deutsch-Südwest, Theodor Leutwein, eingefallen waren. Was die beiden sich bei der Behandlung der aufständischen Herero leisteten, ist aus heutiger Sicht klar zu verurteilen. Dennoch verhielten sich die deutschen Schutztruppen nicht anders, als sich britische oder französische Kolonialtruppen im Falle eines Aufstandes verhalten hätten.

Der britische Reisende E. A. Forbes meint in Bezug auf die Behandlung der Eingeborenen in den deutschen Kolonien:

„Ohne laute Posaunenstöße erzieht sich der Deutsche das junge Afrika nach seiner Art. Die Verwaltung und Regierung im schwarzen Erdteil ist zu einem großem Teile eine Frage des Temperaments, und allem Anschein nach lassen sich die Deutschen weniger leicht zur Heftigkeit und zur Erregung hinreißen als die anderen weißen Menschen. Ich habe alle weißen Rassen bei ihrer Arbeit, Afrika zu erwecken beobachtet und kann mich nicht der Überzeugung verschließen, dass der deutsche Eingeborene sich ebenso weit, wenn nicht noch höher entwickeln wird wie alle anderen!“

Soweit immer der Blick auf Deutsch-Südwestafrika. Wenn wir uns aber der Behandlung und der Treue des Eingeborenen in Ostafrika zuwenden, kommt dem politisch korrekten BRD-Historiker schon das Grausen.

Als die Nachricht von der Kriegserklärung Englands gegen Deutschland über ein Kabel die deutsche Kolonie in Ostafrika erreichte, schien die Lage prekär. Eingekesselt zwischen Briten und Portugiesen, mit einer gerade mal 2200 Mann umfassenden Schutztruppe schien Ostafrika dem Feind schutzlos ausgeliefert. Insgesamt umfasste die deutsche Bevölkerung Ostafrikas lediglich 6000 Weiße gegenüber fast 8 Millionen Eingeborenen.

Wenn also die deutsche Kolonialregierung in Deutsch-Ostafrika die Eingeborenen derart schlecht behandelt hätte, wie in der Schuldlüge verkündet, wäre ein Aufstand im Angesicht fremder ins Land kommenden Truppen nicht nur eine denkbare Möglichkeit, sondern wohl selbstverständlich gewesen. Gouverneur Heinrich Schnee führt an, dass allein der passive Widerstand der schwarzen Bevölkerung gereicht hätte, um die deutsche Schutztruppe mangels Nahrung und Transportmöglichkeiten kapitulieren zu lassen.

Das Gegenteil war der Fall. Bei Kriegsausbruch meldeten sich laut Schnee mehr Eingeborene freiwillig, als bei der Schutztruppe Waffen verfügbar waren. Die Askari kämpften über vier Jahre lang tapfer gegen den britischen und portugiesischen Feind, und auch der ruhmreiche Sieg bei der Schlacht von Tanga, als im November 1914 über 8000 britisch-indische Landungstruppen von den Schutztruppen zurückgeschlagen wurden, geht auf den Verdienst der schwarzen Freiwilligen zurück.

Unter General Paul von Lettow-Vorbeck lieferte die deutsche Schutztruppe in Ostafrika dem Feind ein Katz- und Maus-Spiel, brach unversehens im Norden in die britischen, dann im Süden in die portugiesischen Besitzungen ein. Geniale Dschungelkriegsführung durch Lettow-Vorbeck verband sich mit der Treue der Askari.

Gouverneur Schnee erzählt schließlich von dem Ende der deutschen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika: „Wir waren damals (- also beim Waffenstillstand 1918) noch 155 Deutsche, etwa 1200 Askari und 2000 Träger und Boys. Die Treue, welche diese Schwarzen uns gehalten haben, verdient es festgehalten zu werden. Es ist zugleich der beste Gegenbeweis für die Vorwürfe, welche gegen die deutsche Kolonisation nach dem Kriege erhoben wurden. Diese Treue ist der Beweis dafür, dass wir von unserer Seite den Schwarzen die Treue gehalten, sie richtig behandelt und umsorgt haben.“ Soweit zur Frage der angeblich schlechten Behandlung und Unterdrückung der Eingeborenen.

Der Vorwurf des angeblichen deutschen Militarismus ist nicht neu, er wurde schon vor, während und nach dem Weltkrieg erhoben und ist eine Konstante der heute üblichen Lügenmärchen über Preußen oder das deutsche Reich. In ihrem dritten Vorwurf greift auch die Kolonialschuldlüge diesen Punkt auf und behauptet, das Reich habe die Kolonien und auch die schwarze Bevölkerung militarisieren wollen, um sie gegen ganz Afrika und Europa einzusetzen.

Die Tatsache, dass in den flandrischen Schützengräben tausende für die Briten kämpfende Inder und ebensoviel Araber und Schwarzafrikaner aus Französisch-Westafrika fielen, scheint die Frage der deutschen militärischen Ausnutzung des schwarzen Kontinents etwas zu relativieren. Doch gehen wir weiter: Die deutschen Schutztruppen am Rande des ersten Weltkrieges waren in ihrer Gesamtheit hoffnungslos personell, logistisch und die Ausrüstung betreffend ihren britischen oder französischen Gegnern unterlegen. Selbst bei Hinzurechnung der Polizeitruppen und der schwarzen Freiwilligen wird jeder Stratege erkennen, dass die Schlagkraft der Deutschen weit hinter der des Feindes zurücklag. Bis auf Deutsch-Ostafrika, wo der bereits erwähnte Lettow-Vorbeck einen heldenhaften Dschungelkrieg führte, mussten die meisten Kolonien bereits 1914 oder – 15 kapitulieren. Im Gegensatz zu England oder Frankreich, die stets einen Aufstand der gewaltsam unterdrückten Eingeborenen zu fürchten hatten, sah es das Reich nicht als notwendig an, die kolonialen Schutztruppen auf Kriegsstärke zu bringen.

Was geht den letzten Punkt an? Deutschland habe, so England und Frankreich, die Kolonien zum Zwecke der allgemeinen Schädigung des Welthandels und der Errichtung von Kriegschiffbasen haben wollen. Nun ja. Bis auf Kiautschou verfügte keine der deutschen Kolonien über eine seenahe Festung, einen Kriegshafen oder eine militärische Marinewerft. Die Hafenbefestigung in Kiautschou stammte indes noch aus chinesischer Zeit, und wurde lediglich pro forma übernommen, konnte aber kaum etwas gegen die japanischen Streitkräfte ausrichten.

Für die gesamten deutschen Schutzgebiete in Afrika war vor Kriegsbeginn lediglich der kleine Kreuzer „Königsberg“ abkommandiert worden. Bei Kriegsausbruch lichtete er sofort Anker und verließ die Schutzgebiete umgehend, da ihm die hohe See mehr Sicherheit bieten konnte als die für Warenwirtschaft und Handel eingerichteten Häfen der deutschen Kolonien.

Kreuzer "Königsberg" (1914/15)

Kreuzer "Königsberg" (1914/15)

Man bedenke: Diese Gebiete wurden überhaupt erst zu Schutzgebieten des Deutschen Reiches, um die ansässigen Händler zu schützen und den ungehinderten Warenverkehr zu garantieren.

Dass diese nun als Flottenstützpunkte und geradezu als Piratenbasen bezeichnet wurden, spottet jeder Beschreibung. Nun gut, historische Realsatire, auch wenn sie uns heute wie damals bitter aufstoßen mag.

Im Gegensatz zu Deutschland besaßen sowohl Frankreich als auch England in ihren Kolonien mehrere, nach modernster europäischer Technik gerüstete Flottenstützpunkte. Gerade für die Briten, die mehr als die Deutschen auf eine kriegstaugliche Hochseeflotte angewiesen waren, stellten sich Flottenstützpunkte rund um den Globus als unabdingbar heraus.

Gerade wie heute die Amerikaner weltweit Truppen konzentrieren und Militärstützpunkte, geschützt von Marinestreitkräften unterhalten, so war damals Großbritannien in der Lage, seine Flotte fast immer in Reichweite des nächsten sicheren Hafens operieren zu lassen. Von Deutschland, das nur zu oft britische Häfen zur Versorgung seiner Handelsschiffe anlaufen musste, kann man das mit Sicherheit nicht behaupten.

Man sieht also, die koloniale Schuldlüge basiert auf mehr als fraglichen Behauptungen, die in ihrer Mehrheit durch Anführung und Auswertungen der entsprechenden historischen Quellen rasch widerlegt werden kann. Erschreckend bleibt, dass die meisten Aspekte dieser Lüge sich bis heute halten, historisch unterhaltsam á la Guido Knopp oder viertelseitig in einem Schulbuch abgedruckt. Joschka Fischer, der sich ja auch nicht zu fein war sich für zwei – ZWEI! – von Deutschland begonnenen Weltkriegen zu entschuldigen, bat zur Zeit der Rot-Grünen Regierung führende Herero-Häuptlinge offen um Verzeihung für die Verbrechen der deutschen Schutztruppe. Ich frage nun: Hat sich ein Herero bisher für die Mordtaten an deutschen Siedlern, die allen Verträgen zwischen Deutschland und der Nation der Herero entgegenliefen, entschuldigt? Muss sich Frankreich bis heute für seine Taten während des Algerienkrieges rechtfertigen? Müssen sich die USA bis heute für ihr Vorgehen nicht nur gegen die amerikanische Urbevölkerung, sondern auch für die Sklaverei und das Bombardement der halben Welt entschuldigen? Großbritannien für die Erfindung der Konzentrationslager und der Vertreibung tausender Buren?

Gewisse Historiker gehen gar so weit, die Niederschlagung des Hereroaufstandes als „ersten Völkermord der Geschichte“ zu bezeichnen. Natürlich! Der Deutsche als Verkörperung des ewig Bösen muss natürlich auch ein brutaler Kolonialschlächter gewesen sein. Fazit: Es war ja schon immer der Wurm drin. Von Leutwein und Trotha nahtlos zu Himmler und Eichmann. Beweisführung abgeschlossen. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Seltsam, dass in den meisten ehemaligen deutschen Schutzgebieten unter den Eingeborenen angesichts der britischen oder französischen Misswirtschaft der Wunsch bestand, die Deutschen mögen die Kolonien zurückbekommen. Aber in welchem Schulbuch, in welchem Guido-Knopp-Filmchen bekommt man diese Information?

Während man Briten und Franzosen ja noch wirtschafts- und machtpolitische Gründe für die Verteufelung der deutschen Kolonialgeschichte nachsagen könnte, fragt man sich angesichts der sogenannten Experten in der deutschen Forschung, was sie antreibt. Wie soll man eine Wissenschaft nennen, die hunderte offen zugänglicher Fakten bewusst ignoriert, verschweigt und umdeutet? Was unterscheidet eine solche Wissenschaft eigentlich noch von der ideologieverseuchten Geschichtsschreibung unter Hitler, Mao oder Stalin?

Guido Knopp (Experte für Histotainment)

Guido Knopp (Experte für Histotainment)

Noch haben es die linken Geschichtspornographen glücklicherweise nicht geschafft, unerwünschte Meinungen und unbequeme Fakten zu verbieten. Sie würden es sicher gerne. George Orwell lässt grüßen.

Sicher hat Deutschland als Kolonialmacht Fehler gemacht. Der schlimmste Fehler war aber der, darauf zu vertrauen dass die anderen europäischen Großmächte eine deutsche Kolonialtätigkeit als rechtmäßig und ebenbürtig anerkennen würden.

Man könnte sagen, Deutschland könne sich glücklich schätzen seine Kolonien vor Ausbruch der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen verloren zu haben. Man sieht heute an Frankreich, an den unsäglichen Banlieus und brennenden Autos rund um Paris, wie schwer sich die Integration eines völlig fremden Kulturstammes tut – wenn überhaupt möglich. Andererseits lasten wir uns freiwillig auf, was die Briten und Franzosen, die Niederländer und Belgier als Folge ihrer Kolonialtätigkeit auf sich nehmen.

Es ist in der Tat nicht so, dass mir die Kolonialtätigkeit nicht als überholt erscheint. Fakt ist aber, dass wir bis heute die Folgen der europäischen Kolonialzeit mittragen – gewollt oder nicht (im deutschen Fall leider sehr gewollt). Und ich wage aber im Gegensatz auch zu behaupten, dass eben nicht – wie gebetsmühlenartig heruntergeleiert wird – die Kolonialtätigkeit bis heute grundsätzlich Schuld an allen Problemen Afrikas ist.

Was ich mir wünsche ist eine gründliche historische Aufarbeitung dieser Zeit, die nicht nur in Völkermord und Unterdrückung ihren Ausdruck findet. Deutschland hat in den 30 Jahren seiner Kolonialtätigkeit mehr Entwicklungshilfe für Afrika geleistet, als seit Beginn der Zahlung derselben, wobei letztere meist in den Taschen afrikanischer Clanchefs verschwindet und auf dem Schwarzmarkt in Kalaschnikows umgesetzt wird.

Ich hoffe aber sehr, mithilfe der Zitate von Zeitgenossen, der Schilderung wirtschaftlicher Tatsachen und der Widerlegung historisch bedingter Lügen zumindest in diesem Kreise einen Denkanstoß gegeben zu haben, um die deutsche Kolonialtätigkeit in ihrer Gesamtheit, mit allen guten und schlechten Aspekten als das zu betrachten, was sie in der Tat war: Eine großartige zivilisatorische und wirtschaftliche Erfolgsgeschichte eines großartigen Volkes.

Und so möchte ich schließen, wie auch der große Held Paul von Lettow-Vorbeck seine Gedanken über die Schlacht von Tanga und die Verteidigung Deutsch-Ostafrikas schließt: Per Aspera ad Astra! – Durch das Weltenreich zu den Sternen – durch die Nacht zum Licht!

Jever am 6. März 2010

Literatur:

  • Zache, Hans (Hrsg.): Die deutschen Kolonien. Berlin/Leipzig 1926
  • Seidel, A.: Deutschlands Kolonien – Koloniales Lesebuch für Schule und Haus. Erftstadt 2004 (Reprint, Originalausgabe 1901)
  • Müller, Helmut M.: Schlaglichter der deutschen Geschichte. Mannheim 1986
  • Fischer-Fabian, S.: Herrliche Zeiten. Die Deutschen und ihr Kaiserreich. Bergisch-Gladbach 2006