Einer unserer Leser hat angemerkt, daß man bei der Jungen Freiheit Schwierigkeiten mit der Position hat, daß „der NS-Staat die Erfüllung der Revolution von 1848 gewesen“ sein müsse.

Ein klarer Hinweis dafür, daß man das in den Kreisen des deutschen Widerstandes damals genau so gesehen haben muß, ist die Rezension in der Ausgabe von Februar 1934 der Weißen Blättter zu dem 1934 erschienenen Buch „Richard Wagner, der Revolutionär gegen das 19. Jahrhundert“.

Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Ehemann bei den Wagner-Festspielen

Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Ehemann bei den Wagner-Festspielen

Der Autor der Rezension — es kann sich hierbei nur um Karl-Ludwig Freiherr von ud zu Guttenberg selbst gehandelt haben — vertat die Auffassung, daß Richard Wagner nicht gegen das 19. Jahrhundert, sondern eigentlich gegen „das 18., nämlich die Gedankenwelt der Aufklärung und Französischen Revolution“ revoltiert habe und daher „mit seiner Beteiligung am Maiaufstand in falscher Front focht“.

Weniger von Bedeutung als die Frage, ob sich diese Einschätzung nun sachlich untermauern läßt, ist hier die indirekt gegebene Aussage, wonach damals die offiziöse Meinung in der Revolution von 1848 unbedingt etwas Gutes sehen wollte, wohingegen man das in den Widerstandskreisen keineswegs so sah. Nachdem es zu Guttenberg war, der im August 1939 den Kontakt zwischen dem im Schattenkabinett als Reichskanzler vorgesehenen Carl Friedrich Goerdeler und dem Diplomaten Ulrich von Hassell vermittelt hatte, ist davon auszugehen, daß diese Sichtweise durchaus keine Einzelmeinung darstellte.