SteinigungIm Zusammenhang mit der Mediendebatte um Bischof Mixa will ich etwas aus meiner eigenen Kindheit erzählen: Meine Mutter hat mich und meine Schwester tatsächlich nie geschlagen — mit einer einzigen(!) Ausnahme: ich war in der ersten Klasse und bin mit meiner zwei Jahre älteren Schwester über eine Strecke von gut drei Kilometern auf einer vielbefahrenen Bundesstraße mit dem Rad in einen entfernteren Ort gefahren. Grund war, daß wir eine Lehrerin besuchen wollten, was uns bzw. eigentlich meiner Schwester irgendwie eingefallen war. Als wir dort waren wurden wir ordentlich bewirtet und riefen auch daheim an — wohl weil die Lehrerin gar nicht auf unseren Besuch vorbereitet war und sich daher bei unseren Eltern erkundigen wollte, wie es denn käme, daß wir unangemeldet diese lange und gefährliche Strecke gefahren sind; unsere Mutter hatte aber gar nichts davon gewußt! Bis zu dem Zeitpunkt dachten wir uns überhaupt nichts Böses und sind diese Strecke dann sogar auch wieder zurückgefahren. Daheim gab es dann aber ein riesiges Donnerwetter, bei dem uns unsere Mutter auch richtig versohlt hatte …

Nun mag das nach den heutigen gesetzlichen Maßstäben Körperverletzung sein. Nur muß man eben auch begreifen und real mit einbeziehen, daß Kinder gelegentlich nun mal Sachen machen, deren Tragweite und deren Gefahr sie selbst gar nicht verstehen. Um den Prozess dieses Verstehens in Gang zu bringen kann es manchmal wirklich geboten sein, mit Schlägen nachzuhelfen. In diesem konkreten Fall war die Motivation weiß Gott nicht Sadismus, sondern tatsächlich ein Ausdruck mütterlicher Liebe im Sinne eines hilflosen Verzweifelns darüber, daß sie der gefühlten Verantwortung mit Blick auf die Zukunft anders nicht gerecht werden können würde.

Es sollte klar sein, daß es bei Bischof Mixa in diesem Waisenheim allemal vergleichbare Situationen gegeben haben kann. Nur wissen wir aber ja nahezu gar nichts von den eigentlichen Fakten, so daß wir uns auch überhaupt kein Bild darüber machen können, ob die Situationen, in denen es zu diesen Watschen kam, wirklich vergleichbar waren und ob wir — ungeachtet eines etwaigen gesetzlichen Verbotes — zu der Einschätzung kämen, daß es angemessen war und die Watschen also „verdient“ bzw. notwendig waren. Deshalb sollte man sich auch davor hüten, sich zu irgendwelchen spekulativen Urteilen über die Integrität Bischof Mixas hinreißen zu lassen.

Den größten Widerwillen erzeugt bei mir aber die Tatsache, daß die Medien ja quasi fordern, daß Bischof Mixa seine Beichte in Mikrophone sprechen soll, obwohl dafür doch eigentlich sein Beichtvater zuständig ist. Anders als sein Beichtvater würden ihm kirchenfeindliche Medien wie die Süddeutsche Zeitung aber DOCH NIE die Absolution erteilen — ganz gleich, wie sehr er auch bedauern und um Verzeihung bitten würde — weil sie ihn hassen.

Und an dieser Stelle, meine ich, liegt eben auch der springende Punkt bei der ganzen Angelegenheit: Wie damals mit Eva Herman bei Johannes B. Kerner maßen sich die Medien an Gericht zu halten — ein Gericht, das kein Verzeihen und keine Gnade kennt und bei dem Ankläger und Richter dann auch noch zusammenfallen! Und „am Besten“ sollte das Urteil dieses Gerichtes dann auch noch innerhalb der Kirche von Bedeutung sein und zur Absetzung eines Bischofs führen. Das darf die Kirche aber niemals zulassen, weil es wirklich ihr Ende wäre. Genau dorthin zielen die Strategen dieser Kampagne aber!

Einige bringen vor Bischof Mixa hätte eine „schlechte Figur“ gemacht. Wer so redet, dessen Bewertungsmaßstäbe sind schlicht falsch: Er spricht von einem Bischof wie von einem Modell auf dem Laufsteg, das er im Fernsehen sieht. Hier handelt es sich aber nicht um einen Mode-Wettbewerb, sondern um ein Spießrutenlaufen. Wenn man den Unterhaltungsfaktor als Maßstab anlegt, dann begrüßt man dieses Spektakel natürlich und würde sich womöglich noch einen Spaß daraus machen, dem Bedrängten die Schuld für den Stein zu geben, der ihn am Kopfe traf, weil er diesem ja auch hätte ausweichen können. Von dieser Art von Ausgelassenheit dürfte die Stimmung im Circus Maximus geprägt gewesen sein, als man Menschen zur Belustigung und Besänftigung eines allzeit rebellischen Mobs öffentlich hinrichtete.

Nun sagen uns Vertreter der Medien — gestern etwa der Medienunternehmer Frank A. Meyer — diese Art des Umgangs mit der Römisch-Katholischen Kirche sei notwendig, um sie zu reformieren und sehen sich dabei selbst in der Rolle des Erziehers. Die Frage, ob diese mediale Dressurelite moralisch legitimiert ist, einen derartigen Schauprozess über einen Bischof zu veranstalten, wenn sie doch den Maßstäben, die sie an ihn legt, selbst in keiner Weise gerecht wird, möge sich jeder selbst beantworten.