Friedenswille und Gottesfurcht Mittwoch, Apr 7 2010 

Friedenswille und Gottesfurcht

Von D. Paul Althaus

Nach kritischen Monaten voll drohender Kriegsgefahr hielt der deutsche Kanzler Otto v. Bismarck am 6. Februar 1888 im Reichstage die gewaltige Rede für die neue Wehrvorlage. Vom Inlande und Auslande mit größter Spannung erwartet, wirkte sie unvergleichlich. Deutschland war hingerissen. Die Worte „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt“ zündeten vor allem und bekamen ungeahnte Volkstümlichkeit. Bismarck war darüber sehr erstaunt. Er erklärte später, er habe sich gar nichts Besonderes dabei gedacht, als er im Reichstage das Wort aussprach; es sei ihm durchaus selbstverständlich und natürlich gekommen, und er habe sich nicht träumen lassen, daß daraus ein Schlagwort entstehen würde.

(mehr …)

Advertisements

Wolfgang Benz zum „Widerstand“ im Exil Mittwoch, Apr 7 2010 

Dr. Wolfgang Benz, "Historiker" und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung

Dr. Wolfgang Benz, "Historiker" und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung

Unter dem dialektisch anmutenden Titel Widerstand im Exil — Exil als Widerstand gibt es eine Arbeit des umstrittenen Antisemitismusforschers Wolfgang Benz. Es wäre sicher ungerecht, wenn man die darin aufgeführten Personen als Vaterlandsverräter bezeichnen würde. Aber deren Tätigkeit im Ausland als „Widerstand“ einzuordnen, ist schlicht unredlich — zumal es dort ja keinerlei Gefahren für sie gab! Zu kritisieren ist auch sein undifferenziertes Schönreden der deutschtümelnden Revolution von 1848, die schließlich auch vom Nationalsozialismus hochgejubelt (siehe hier und hier) wurde. Hier wenigstens ansatzweise zwischen Licht und Schatten zu unterscheiden müßte bei ihm als „Historiker“ doch eigentlich ein innerer Drang sein. An sich ein Armutszeugnis für die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, daß man diese Arbeit in das Publikationsverzeichnis aufgenommen hat.

Über die Ehrfurcht Montag, Apr 5 2010 

Über die EhrfurchtVon Otto Heuschele

So vielen Menschen der Zeit mangelt die Ehrfurcht, sagte jüngst während einer abendlichen Unterhaltung mein Freund, als wir uns um die Deutung der Gegenwart mühten. Mir fiel dieser Satz auf die Seele, und ich hätte gerne sogleich widersprochen, aber das wagte ich doch nicht. Der Ausspruch indessen gab mir Veranlassung, darüber nachzudenken, was denn nun in einem genaueren Sinne das Wort Ehrfurcht aussagen wolle, gehört doch dieser Begriff zu denen, die wir so leicht im Munde führen, ohne uns darüber Rechenschaft zu geben, was wir damit aussagen. Und ich glaube, nichts ist für uns gefährlicher, als wenn wir Begriffe, die auf Großes und Erhabenes hindeuten, gedankenlos gebrauchen. Da ist mir denn auch ziemlich rasch klar geworden, daß mit diesem Worte eine sehr eigentümliche deutsche Haltung des Gemütes umschrieben wird. Indem ich mich der entsprechenden Begriffe im Bereiche der fremden Sprachen zu erinnern versuchte, wurde mir klar, daß den anderen Nationen ein auch nur ähnlich weitreichender Begriff fehlt, daß sie vor allem damit keine Haltung bezeichnen, die so in die Tiefen des Gemütes reicht, wie unsere Ehrfurcht. Sie kennen, wie wir, die Verehrung und die Achtung, die aus dem lateinischen reverentia, dem französischen révérence, vénération und respect, dem englischen reverence spricht. Sie kennen aber, wie mir scheint, nicht die so enge Verflechtung von Verehrung und Furcht, die wir mit unserem deutschen Worte bezeichnen. Diese bis tief in die Sphäre des Religiösen reichende Haltung des Gemütes ist weit mehr als nur ein Verehren, Bewundern, Achten oder Danken. Es ist wahrhaft zunächst eine Form der Furcht, die uns in dem Augenblick, da sie uns schrecken, da sie uns ängstlich und verzagt machen möchte, auch in jene Sphäre erhebt, in der uns ein merkwürdig starkes Gefühl des Trostes, der Sicherheit und Geborgenheit umgibt. Es ist eine Erhebung über uns selbst hinaus., die durch die Ehrfurcht in uns ausgelöst wird, es ist durch sie ein Anschluß möglich an Kraftquellen, deren wir nur durch die Gnade teilhaftig werden. Das Gefühl der Ehrfurcht schließt den Menschen zu einem Ganzen zusammen, wie ihm das nur noch im Zustand der Hingabe an Gott oder in dem der Liebe widerfährt.

(mehr …)

Zwei Aufsätze aus der „Hochland“ von Mai und Juni 1935 Sonntag, Apr 4 2010 

Unter Die Krisis des späten Liberalismus und Die Überwindung des Liberalismus gibt es zwei überaus lesenswerte Aufsätze von Ernst Michel von Mai und Juni 1935 aus der Monatsschrift „Hochland“.

Titelblatt der Hochland. Ausgabe Mai 1935

Diese beiden Aufsätze dokumentieren nicht nur wie sich gläubige Katholiken gegen den totalitären Geist gestemmt haben. Sie geben indirekt auch ein beeindruckendes Stimmungsbild für die Zeit vor der nationalen Revolution von 1933 — Worthülsen wie „Machtergreifung“ für dieses Ereignis zu verwenden, dürfte ein Fehler sein: es wurde damals als “nationale Revolution” bezeichnet und kann auch nur so überhaupt begriffen werden. Freilich ging aus dieser Revolution genauso wenig Gutes hervor, wie aus jeder anderen Revolution. Aber man kann der deutschen Geschichte nicht gerecht werden, wenn man sich nicht traut, ihr ins Auge zu blicken; auch den Menschen von damals wird man damit nicht gerecht. Was am 30. Januar 1933 (oder meinetwegen auch am 28. Februar) stattfand, hatte einen enorm langen Vorlauf. Wer die Zeit davor ausblendet, der wird auch nicht begreifen können, wie es zu dieser nationalen Revolution kam.

Kirchliche und politische Geschichte Samstag, Apr 3 2010 

Von Leopold von Ranke

In Schule und Literatur mag man kirchliche und politische Geschichte voneinander sondern: in dem lebendigen Dasein sind sie jeden Augenblick verbunden und durchdringen einander. Wie es überhaupt keine menschliche Tätigkeit von wahrhafter, geistiger Bedeutung gibt, die nicht in einer mehr oder minder bewußten Beziehung zu Gott und göttlichen Dingen ihren Ursprung hätte: so läßt sich eine große, des Namens würdige Nation gar nicht denken, deren politisches Leben nicht von religiösen Ideen angeregt und erhoben würde, die sich nicht unaufhörlich damit beschäftigte, dieselben auszubilden, zu einem allgemein gültigen Ausdruck und einer öffentlichen Darstellung zu bringen.

Gesangbuch (mehr …)

Von geistigem Adel und Adel des Geistes Freitag, Apr 2 2010 

Von geistigem Adel und Adel des GeistesVon Otto Heuschele

Wir lesen in einem Urteil über eine geistige Leistung, ein Werk der Dichtung oder der bildenden Kunst, der Musik oder auch der geistigen Führung und Forschung, sie sei von adeligem Geist erfüllt, oder es spreche aus ihm eine adelige Haltung. Solche und ähnliche Urteile, ausgesprochen in Verbindung mit einer geistigen oder künstlerischen Schöpfung, zwingen uns, nachzudenken, was der, der sich dieses Ausdruckes bediente, damit sagen wolle; denn wir müssen glauben, er wolle, wenn er diese Wendung nicht gedankenlos, sondern ernst und genau gebraucht, damit eine geistige Leistung sowohl auszeichnen als auch von anderen unterscheiden; wie wir einen Menschen auszeichnen, indem wir ihm Adel der Haltung, des Charakters, der Gesinnung oder Adel schlechthin zubilligen.

(mehr …)

Neue Weiße Blätter und ein Buch von Anton Ritthaler im Schriftenarchiv Mittwoch, Mrz 31 2010 

Im Schriftenarchiv gibt es vierzehn neue Scans der Weißen Blätter:

Außerdem noch das 1940 erschiene Buch Weltpolitische Spannungen seit Bismarck von Anton Ritthaler. Das spiegelt freilich die Sicht von damals wider. Ritthaler dürfte sich aber um eine vergleichsweise objektive Darstellung bemüht haben, zumal er einer derjenigen war, die Hermann Oncken gegen die Angriffe von Walter Frank verteidigt hatten.

Weltpolitische Spannungen seit Bismarck. Von Anton Ritthaler

Die Ereignisse in Griechenland Dienstag, Mrz 30 2010 

Über dieses Thema berichtet die von Dr. Fritz Klein herausgegebene „Deutsche Zukunft“ vom 1. Dezember 1935 Folgendes:

Das griechische Volk hat am 3. November 1935 die gekrönte Demokratie gewählt, und der König ist am 24. November nach Griechenland zurückgekehrt. Die Tagespresse hat über den feierlichen und begeisterten Empfang berichtet. Das ist äußerliche gesehen die Entscheidung der Frage Monarchie oder Republik, des Kampfes der Volksparteien oder Monarchisten gegen die Veniselisten, der Front der Rechten gegen die Linke. Tiefer begriffen das Ergebnis der geschichtlichen Ereignisse des im langsamen Fortschreiten gewordenen neugriechischen Staates, Resultat der elementaren inneren Freiheitsbedürfnisse dieses Volkes, seines Charakters und seiner Struktur udn der Dynamik, die aus der „Großen Idee“ des freien, machtvollen, byzantinischen Reiches strömt.

König Georg II. von Griechenland (1890-1947)

König Georg II. von Griechenland (1890-1947)

(mehr …)

Wie die Nationalsozialisten zur Revolution vom März 1848 standen Montag, Mrz 29 2010 

Revolution vom März 1848

Revolution vom März 1848

Wie die Nationalsozialisten zur Revolution vom März 1848 standen, kann man sich aus diesem, im April 1938 als Nachdruck aus der Kölner Zeitung — also wenige Tage nach dem sog. Anschluß Österreichs erschienen, Artikel erschließen: Die Nationalsozialisten haben den deutschtümelnden März damals ohne Ende bejubelt. Der Bericht des nachmaligen Kaiser Wilhelms I. zur Märzrevolution, stand in der Ausgabe vom März 1938. Die Weißen Blätter waren in jeder Hinsicht restaurativ. „Konterrevolutionär“ waren sie  höchstens in dem Sinne, daß die Nationalsozialisten sich als Revolutionäre verstanden. Der 30. Januar 1933 wurde von ihnen nicht umsonst als „nationale Revolution“ bezeichnet : sie sahen sich als Weiterführung der Revolution von 1848 und bezeichneten folglich auch ihre Gegner als „reaktionär“.

Hitler in Wien nach dem sog. Anschluß Österreichs im März 1938

Hitler in Wien nach dem sog. Anschluß Österreichs im März 1938

Objektive vs. kämpferische Geschichtsschreibung Samstag, Mrz 27 2010 

Wer bei geschichtlichen Themen mitunter das Gefühl hat, daß einseitig argumentiert wird, dem kann der Artikel Grenzen und Befugnisse der Geschichtswissenschaft in der Ausgabe Februar 1935 der Weißen Blätter empfohlen werden. Er dokumentiert die Angriffe im Völkischen Beobachter durch Walter Frank auf den nationalliberalen Historiker Hermann Oncken, die zu dessen Zwangsemeritierung führten, und vermittelt ein Bild über die damit aufgeworfenen Grundsatzfragen: Unter Berufung auf Leopold von Ranke, dem Begründer der modernen Geschichtswissenschaft, verteidigt Anton Ritthaler die Möglichkeit einer objektiven Geschichtsschreibung — die Nationalsozialisten vertraten dagegen den Ansatz einer „kämpferischen Geschichtsschreibung“.

Leopold von Ranke (1795-1886)

Leopold von Ranke (1795-1886)

« Vorherige SeiteNächste Seite »