Das Testament Reinhold Schneiders Freitag, Mai 14 2010 

Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, / und die Herren halten Rat miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten: „Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!“ Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer. Einst wird der mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie erschrecken. (Psalm 2, 1-5)

Heute, gut zwanzig Jahre nach Ende des Systemgegensatzes, ist es eine gute Idee Bücher zu lesen, die geschrieben wurden bevor in den Besatzungszonen der Westalliierten die Ära Konrad Adenauer begann, von deren „Mief“ man sich dann ab 1968 sexuell zu befreien suchte. Um Freiheit geht es auch in Reinhold Schneiders Die Heimkehr des deutschen Geistes. Über das Bild Christi in der deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts, das 1946 in Baden-Baden im Hans Bühler jr. Verlag erschien.

Publizistische Opposition während der NS-Zeit

Schneider (1903-1958) war, soweit es um die publizistische Auseinandersetzung mit dem politisch-ideologischen System ging, dem im Frühjahr 1933 ein beträchtlicher Teil der Deutschen zum Opfer gefallen war, der führende Kopf des Widerstandes. In der von Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg ab 1934 herausgegebenen Monatsschrift „Weiße Blätter für Geschichte, Tradition und Staat“, die ihr Erscheinen erst 1943 wegen Papiermangels einstellte, hatte er regelmäßig Buchrezensionen und Essays zu geschichtlichen und religionsphilosophischen Fragestellungen veröffentlicht, die den ideologischen Rahmen der Gleichschaltung verließen und oft sogar auch sprengten.

Auch aktuelle und von der Tagespresse diskutierte Themen wurden darin gelegentlich aufgegriffen. „Was ist eigentlich deutsch?“ Bezüglich dieser Frage, kann, zumindest in der frühen Phase, jedenfalls von Meinungspluralismus gesprochen werden. Gerade weil der offene Diskurs nicht mehr möglich war, wurde um diese Grundsatzfrage umso leidenschaftlicher gestritten, je mehr es den Kern der deutschen Identität betraf. Die Kunst bestand darin, solche Debatten aufzugreifen. Zu einem wahren Sturm im „Reichs“-Blätterwald kam es im Frühjahr 1935, nachdem es im Hagener Stadttheater bei der Aufführung eines neuheidnischen Bühnenstücks zu so heftigen Tumulten gekommen war, daß die Vorführung erst weitergeführt werden konnte, nachdem Polizei und SA die „jungen Burschen“ aus „katholischen Kreisen“ aus dem Saal entfernt hatten. Gegenstand dieses in seiner schamlosen Einseitigkeit an Rolf Hochhuts „Der Stellvertreter“ erinnernden Schauspiels war die geschichtliche Auseinandersetzung zwischen Reichsgründer Kaiser Karl dem Großen und Sachsenherzog Widukind, — die Hauptrolle.

Dieser Angriff aus der Feder eines Anhängers der Ludendorff-Bewegung richtete sich gegen die römisch-katholische Kirche. Für die „Weißen Blätter“ die Gelegenheit Stellung zu beziehen! Die Februarausgabe brachte in der Rubrik „Stimmen und Urteile“ zwei Nachdrucke aus der „Germania“ zum Ablauf der Drama-Vorführung und zur Verteidigung der Heiligsprechung Karls durch Friedrich Barbarossas Gegenpapst Paschalis III., und von Reinhold Schneider erschien eine Würdigung des im Vorjahr erschienenen Geschichtswerks der Dichterin Ricarda Huch, in der er mit spitzer Feder die „Aktualisierung der Geschichtsbetrachtung und Darstellung in den letzten Jahren“ diskutierte und als Leitartikel seine Abhandlung zum „Gotteserlebnis der Völker“. Sich darin direkt gegen den Nationalsozialismus zu stellen ging nicht. Schneiders Weckruf war gleichwohl deutlich erkennbar. Wer damals las, jeder an ein besonderes „Gottesträgervolk“ gebundener Zugang zu Gott müsse dazu führen, daß zwar „fort und fort von Gott die Rede ist“, jedoch wie „von einem Toten“, der wußte natürlich, daß es dem Autor weder um die am Rande erwähnten „Araber“ ging noch gar um das „russische Volk“. Daß in der Sowjetunion damals niemand versucht sein konnte, diesem falschen Gottesbegriff zu verfallen „ohne ihn zu durchschauen“ war offenbar, weil Gott dort ja gerade nicht „mitten im Tagesgeschehen gegenwärtig, in den politischen Entscheidungen, selbst im Staate“ war.

Die Botschaft derart prompt und klar zu vermitteln gelang freilich nicht immer. Mitunter gab es auch Beiträge, in denen Begriffe und Denkmuster aus der NS-Propaganda wiederkehrten, so daß sie der Leser von heute schon sehr aufmerksam lesen und durchdenken muß, wenn er sie richtig deuten können möchte. Begriffen sein will dabei auch, welchen Wert das legale Erscheinen dieser Zeitung für die Opposition hatte: mit der deutschen Geschichte als breiter Themensetzung konnten traditionsverbundene Katholiken und gläubige Protestanten gleichermaßen angesprochen werden. Nur so konnte in die Mileus beider großer Konfessionen hineingewirkt werden, um über den Vertrieb Netzwerke knüpfen und inhaltlich-konzeptionell auf eine gemeinsame Ebene hinarbeiten zu können. — — —

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Russisch-Orthodoxe Kirche warnt vor der Verherrlichung Stalins Montag, Mai 10 2010 

Stalin-Plakat in der DDR (1952)

Stalin-Plakat in der DDR (1952)

Zwei Tage vor der Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau, bei der auch die Putschistin von Brüssel, Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit dabei war und an der sich auch NATO-Truppen aus den USA, Großbritannien und Frankreich beteiligt waren, hat die Russisch Orthodoxe Kirche in sehr deutlichen Worten vor der Verherrlichung Stalins gewarnt: (mehr …)

Für alle, die immer noch an die „EU Währungspolizei“ glauben Sonntag, Mai 9 2010 

Die Geschichte mit der “Rettung des Euro”, der angeblich „von Spekulanten angegriffen wird“, hat man uns, dem Bundestag, dem Bundesrat und dem Bundespräsidenten nur erzählt, damit Merkel mit der “Griechenlandhilfe” in der Tasche nach Brüssel fliegen kann. Dort geht es aber nicht etwa um „Griechenland“ oder irgendwelche Maßnahmen gegen “falsches Spekulieren“, sondern um eine Erweiterung des Vertrages von Lissabon. In der Berichterstattung der BBC findet sich nämlich kein Wort von irgendeiner “EU Währungspolizei” oder einem “Angriff der Spekulanten“ auf den Euro. So einen Quatsch kann man nur dem deutschen Michel erzählen. Der nimmt das tatsächlich ernst und alle debattieren sich über Wochen hinweg die Köpfe heiß. Eben das war auch beabsichtigt, damit der Putsch in Brüssel ungestört über die Bühne gehen kann und Deutschland am Ende für die Kosten der Transferunion aufkommt. England und andere europäische Staaten würden nicht mal im Traum daran denken, Geld für eine derartige Totgeburt in die Hand zu nehmen.

Die "EU Währungspolizei" bei der Arbeit (Modellstudie)

Die "EU Währungspolizei" bei der Arbeit (Modellstudie)

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Zum gestrigen Putsch in Brüssel Samstag, Mai 8 2010 

In den Qualitätsmedien wird erörtert, ob das BVerfG das Gesetz zur „Griechenlandhilfe“ rückwirkend für ungültig erklären wird. Selbst wenn das geschähe, würde die KfW und damit der deutsche Steuerzahler sein Geld — das ja noch gar nicht da ist, weil hier ja die Steuereinnahmen der Zukunft verballert wurden — nie wieder sehen. Die Ausfallzusicherungen wurden längst schon unterschrieben und sind auf dem Wege nach Athen.

Merkel und Sarkozy beim Putsch gestern in Brüssel

Merkel und Sarkozy beim Putsch in Brüssel

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Nietzsches Grab Dienstag, Mai 4 2010 

Von Reinhold Schneider

Der Turm der Kirche zu Röcken stammt noch aus romanischer Zeit; in seinen hochgelegenen winzigen Fenstern stehen die runden Säulchen; er ist ungefüg und fast schwer für die kleine Kirche mit dem gotischen Chore. Ringsum breitet sich der Rasen, auf dem die Grabsteine verstreut sind; einige Kreuze und Platten neigen sich zur Erde, als wollten sie den Toten nachsinken in die Tiefe. Mauern schließen das enge Totenfeld ein, ohne den alten ländlichen Häusern draußen den Blick auf den Friedhof zu verwehren. Hier, an der Mauer der Kirche, neben dem Grabstein der Mutter, liegt die Platte, die Friedrich Nietzsches Namen nennt; und man könnte wohl meinen, daß keine Stätte dem Denker fremder sein müßte als diese, wo er die letzte Ruhe fand.

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Der Multikulturalismus als Deckmantel eines religiös verbrämten Rassismus Dienstag, Mai 4 2010 

Die Rheinische Post berichtet heute von einer Rassismusklage des Kongolesen Bienvenu Mondondo gegen eine Ausgabe des belgischen Comics Tim und Struppi. Die darin erwähnte Ausgabe von 1931 würde bestimmt zeigen, daß in dieser Zeit keineswegs nur in Deutschland eine geistige Strömung vorherrschte, die man heute als übelsten Rassismus brandmarken würde. Hintergrund war, daß die Anthropologie damals ihren Durchbruch hatte, was dann in neuheidnisch-religiösen Verbrämungen wie etwa der Anthroposophie seinen Niederschlag fand.

Tim und Struppi

Tim und Struppi werden verklagt

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Die deutsch-französische Bruchlinie am Beispiel der Währungsunion Dienstag, Mai 4 2010 

Ein AFP-Bericht, wie ihn Australier lesen:

  • Für Italien ist Deutschland schuld, weil Merkel mit der Zustimmung zu den Hilfen zu lange gezögert habe und die Krise durch das Zögern verschlimmert worden sei (Außenminister Frattini).
  • Bundeskanzlerin Merkel wird so wiedergegeben, daß es notwendig sei, im Zuge der Krise den EURO-Stabilitätspakt so zu „konfigurieren“, daß er nicht mehr unterminiert werden könne und daß er strikt eingehalten werde.
  • Der niederländische Finanzminister de Jager spricht sich für „neue und stirktere Abmachungen“ aus und unterstützt somit quasi die deutsche Position.
  • Bei unseren französischen Freunden spricht sich die Finanzministerin Lagarde für „striktere Regeln bei öffentlichen Ausgaben“ aus und „erneuert ihre Kritik an der Exportorientierung der deutschen Wirtschaft“, es gelte „Wettbewerbsfähigkeit und die finanzielle Stablilität“ mit einem „Mikroskop“ zu „überwachen“, dem Auseinanderdriften zwischen „der Exportorientierung der deutschen Wirtschaft und dem wachsenden Schuldenproblem der der Länder der Eurozone Griechenland, Portugal und Irland“ müsse mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden; sie meint Änderungen am EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt würden seit Jahren diskutiert, findet aber, daß die Krise in Griechenland die Dringlichkeit der Debatte erneuert habe; sie wendet sich gegen die Meinung, daß es in Spanien und Portugal, trotz deren hoher Defizite, zu Krisen kommen würde, die mit denen Griechenlands vergleichbar sein, diese Länder seien in einer völlig anderen Situation, weil sie keine falschen Zahlen zu ihren Defiziten geliefert hätten.

Ein „Hurra!“ auf die deutsch-französische Freundschaft, möchte man mit bitterer Ironie hier sagen.

Eurokrise

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Umfrage: Groß- und Kleinschreibung in der persönlichen Anrede Donnerstag, Apr 29 2010 

Deutsche Rechtschreibung

Immer mehr Leute — darunter auch einige mit höherer Bildung — gehen dazu über, das „Du“ in der Anrede nicht mehr groß, sondern klein („du“) zu schreiben. Sofern damit nicht ein Mangel an persönlichem Respekt zum Ausdruck gebracht werden soll, läuft dieser Trend auf eine Verarmung der deutschen Schriftsprache hinaus.

Das Dilemma im Alltag mit solchen Kleinschreibern ist, daß man ja nicht wissen kann, aus welchem Grund die Anrede klein geschrieben wurde: wollte er damit seine Geringschätzung zum Ausdruck bringen oder ist er der Auffassung, daß dieses Kleinschreiben eine Art von Fortschritt sei.

Wollte man das herausfinden, müßte man sich die Blöße geben, direkt zu fragen, was mit dieser klein geschriebenen Anrede gemeint war. — In der Praxis wird das aber ja kaum jemand tun.

Wie empfindet Ihr es, wenn Euch jemand im Internet mit klein geschriebenem „du“ anredet?

Schicksalstag 1914 Freitag, Apr 23 2010 

Von Dr. Kurt Jagow

In den Vormittagsstunden des 28. Juni 1914 krachten in Sarajewo, der Landeshauptsadt von Österreich-Ungarns Provinz Bosnien, zwei Schüsse: ein junger Mann serbischer Nationalität hatte den Thronfolger der Doppelmonarchie uns seine Gemahlin niedergestreckt. Diese Schüsse haben das Signal zum Weltkriege gegeben.

Wie ist es dazu gekommen?

Österreichische Zeitung vom 1914 zum Attentat

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Flucht vor dem Licht Donnerstag, Apr 22 2010 

Von Iwan Iljin

Es ist nicht mehr als das Vorurteil, daß jedes Wesen — der aufgehenden Sonne harrt und sich auf das dämmernde Tageslicht freut. Es gibt auch solche Geschöpfe, die das Licht scheuen und bei Sonnenhelle erblinden, die für die Nacht geboren sind, die sich vor dem Licht verkriechen und die Finsternis genießen. Der Adler öffnet sein Auge der Sonne entgegen; aber der Nachtaffe versteckt sich in seine Baumhöhle, und die Katzeneule hockt den Tag über in ihrem dunklen Ruinenloch.

So gibt es auch unter den Menschen solche, deren Blick nur geistige Nacht verträgt, nur im Einerlei der geistigen Finsternis zur Ruhe kommt und mit verkrampftem Auge jedem göttlichen Lichtstrahl begegnet. Der Eine frohlockt wenn er etwas Göttliches wahrnimmt, sei es in der Natur, oder im Menschen oder in den Räumen der übersinnlichen Schau. Der Andere fühlt sich dadurch geblendet und beunruhigt, und möchte überhaupt nichts mehr davon wissen …

Sonnenfinsternis

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